Bandelstraße

Zwischen der Krausenstraße im Norden und der Geibelstraße im Süden führt die Bandelstraße in der Südstadt von der Sallstraße zur Hildesheimer Straße. Sie teilt dabei den Stephansplatz in zwei Hälften. In der Bandelstraße 23 - das ist heute die Nummer 41 - wohnte als Kind der Dichter Karl Krolow, dessen Grab sich auf dem Engesohder Friedhof befindet. Benannt wurde die Bandelstraße 1875 nach dem Kollossalbildhauer Ernst von Bandel.

Ernst von Bandel

Ernst von Bandel um 1870
 

Der Sohn eines Gerichtspräsidenten aus Ansbach, geboren am 17.5.1800, ist ein Besessener. Schon im Alter von 14 Jahren erhält er Zeichenunterricht bei einem Kupferstecher in Nürnberg. Der Bewerbung beim Königlich Bayerischen Forstamt zieht Ernst von Bandel eine architektonische Lehre vor. 1818 muss er der Kunst nach dem Tode des Vaters aus finanziellen Gründen fast entsagen, aber der bayerische König Maximilian I. setzt ihm ein Stipendium aus und stellt ihn 1819 als Zeichner bei Hofbauamt an. 1820 wird von Bandel Student an der Kunstakademie. Mit finanzieller Unterstützung durch Maximilian II. kann er sich von 1825 bis 1827 in Italien aufhalten. Zurück in München arbeitet er sieben Jahre lang an der Glyptothek. In diese Zeit fällt seine Wahl in den Vorstand des Münchner Kunstvereins und die Gründung eines akademischen Turnvereins. Wei ler mit König Ludwig I. nicht klar kommt, geht Ernst von Bandel 1834 nach Berlin, wo er die ersten Skizzen für ein Nationaldenkmal anfertigt. Damit stößt er jedoch auf wenig Gegenliebe. König Wilhelm IV. beruft ihn 1836 nach Hannover, wo er sich an der Restauration des königlichen Schlosses beteiligt. Die Idee, ein Nationaldenkmal zu schaffen, lässt Ernst von Bandel nicht los. 1837 zieht er deshalb nach Detmold, wo er aus 164000 Kubikfuß harten Sandsteins den kapellenartigen Unterbau für sein Hermannsdenkmal errichten lässt. Nach der Vollendung des Baus im Juni 1846 ist Ernst von Bandel pleite. Außerdem erlahmt das Interesse am Nationaldenkmal. Erst nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1871 kann Ernst von Bandel mit seiner Idee große Teile der Bevölkerung, die Regierung und Kaiser Wilhelm I. begeistern. Der Monarch steuert schließlich die fehlenden Mittel zur Fertigstellung der Kollossalstatue bei. Sie entsteht in Bandels hannoverscher Werkstatt in der Eisenstraße 1, gelegen zwischen der heutigen Leisewitzstraße und der Gellertstraße. Als das Hermannsdenkmal am 16. August 1875 in Anwesenheit des Kaisers eingeweiht wird, ist Ernst von Bandel bereits von schwerer Krankheit gezeichnet. Nach einem Kuraufenthalt in Italien, den Wilhelm I. bezahlt hatte, stirbt Ernst von Bandel am 25. September 1876. Beigesetzt wird er auf dem Stadtfriedhof Engesohde. Bandels Grab ist heute städtisches Ehrengrab.

Foto: Ernst von Bandel im seinem Atelier in der Eisenstraße 1 um 1870.

 

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