Bodenstedtstraße

Parallel zur Hildesheimer Straße führt die kleine Bodenstedtstraße von der Geibelstraße zur Böhmerstraße. Benannt wurde sie 1909 nach dem Dichter und Sprachgelehrten Friedrich von Bodenstedt.

Friedrich von Bodenstedt

Friedrich von Bodenstedt
 

Als er im Alter von 21 Jahren in die Welt hinauszieht, ist der Begriff „Abenteuerschriftsteller“ noch unbekannt, aber Friedrich von Bodenstedt kann ohne Übertreibung noch weit vor Friedrich Gerstäcker, der tatsächlich Abenteuer erlebt hat, und Karl May, der sich seine Abenteuer zusammenphantasiert hat, als Vater der deutschen Abenteuerschriftstellerei bezeichnet werden. In die Wiege ist ihm dies freilich nicht gelegt, denn der Beruf des Vaters ist wahrlich nicht abenteuerlich. Friedrich Martin von Bodenstedt wird am 22.4.1819 in Peine als Sohn eines Brauers geboren. Schon als Heranwachsender versucht er sich als Dichter, stößt aber beim Vater und seinen Lehrern nicht auf Gegenliebe.

Nach dem Studium in Göttingen, München und Berlin verdingt sich Friedrich von Bodenstedt 1840 als Hauslehrer beim russischen Fürsten Galitzin in Moskau. 1843 geht er als Gymnasiallehrer nach Tiflis, erlebt die Kämpfe der „Bergvölker“ gegen die Russen, studiert deren Sprachen und Literaturen. Während einer ausgedehnten Bereisung Kleinasiens lässt sich Bodenstedt in die tatarische, persische, georgische und armenische Sprache einführen. Unter dem Titel „Tausend und ein Tag im Orient“ veröffentlicht Bodenstedt seine Reiseerinnerungen 1849/50 in Berlin.

Sein Versuch, in deutschen Landen als Schriftsteller Anerkennung zu finden, ist nicht von Erfolg gekrönt. Bodenstedt lässt sich jedoch nicht entmutigen, arbeitet als Redakteur verschiedener Zeitungen und Professor in unterschiedlichen Wissensgebieten. 1854 wird er von König Maximilian II von Bayern zum Honorarprofessor für slawische Sprachen ernannt. Von 1858 bis 1866 ist er Professor für englische Literatur, übersetzt Dramen altenglischer Dichter und arbeitet an einer Neuausgabe der Werke Shakespeares. 1866 folgt er dem Ruf des Fürsten von Meiningen und wird Intendant des dortigen Hoftheaters. Dem Fürsten scheint Bodenstedts Wirken zu gefallen, denn er erhebt den Vielgereisten in den Adelsstand.

Erst 1878 wird Friedrich von Bodenstedt bodenständig. Er zieht nach Wiesbaden und kann endlich vom Schreiben leben. Das Fernweh lässt ihn dennoch nicht los. Von 1880 bis 1882 bereist er die Vereinigten Staaten. Nach einem umschweifigen Leben, in dem er dutzende von Ländern bereist und dutzende von Büchern verfasst hat, stirbt Friedrich von Bodenstedt am 18. April 1892 in Wiesbaden.

Foto: Franz Seraph Hanfstaengl

 

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