Börnestraße

Parallel zur Stresemannallee verbindet die unspektakuläre Börnestraße den Altenbekener Damm mit der Heinrich-Heine-Straße. Sie wurde 1928 nach dem Schriftsteller Ludwig Börne benannt. Zwischen 1934 und 1945 hieß die kleine Straße, weil Börne jüdischer Herkunft war, Patjestraße.

Ludwig Börne

Carl Ludwig Börne
 

Am 24. Mai 1786 wird Carl Ludwig Börne im jüdischen Ghetto von Frankfurt am Main als Juda Löw Baruch geboren. Sein Vater Jakob ist ein wohlhabender Bankier mit exzellenten Beziehungen. Löw oder auch Louis Baruch besucht ein Erziehungsinstitut in Gießen, was für seine Zukunft nicht folgenlos bleiben soll. Auf Wunsch des Vaters studiert er Medizin in Berlin und scheitert. Auch die Wiederaufnahme des Medizinstudiums in Halle ist nicht von Erfolg gekrönt.

Der junge Mann verschuldet sich und liegt mit seinem Vater überkreuz. 1807 wechselt er auf Betreiben des Vaters, der meint ihn besser beaufsichtigen zu können, nach Heidelberg, um dort Rechtswissenschaften zu studieren. Börne verschuldet sich weiter und es kommt sogar zum Prozess mit dem Vater, der sich bis 1813 hinziehen soll. 1808 immatrikuliert sich Börne in Gießen, wo er unter der Anleitung seines alten Gießener Lehrers Professor Crome zum Dr. phil. promoviert wird, ohne überhaupt ein Examen bestanden zu haben.

Trotz aller Zwistigkeiten sorgt Jakob Baruch 1811 dafür, dass der Sohn zum Polizeiaktuarius in Frankfurt ernannt wird. Die napoleonischen Gesetze machen dies möglich, aber schon 1815 nach der Befreiung von der napoleonischen Herrschaft endet die Freiheit für Juden und Löw Baruch wird aus dem Staatsamt entlassen. Er quittiert das mit lebenslangem Hass auf seine Geburtsstadt Frankfurt. 1818 tritt Baruch zum Protestantismus über und nennt sich hinfort Carl Ludwig Börne, weil er seinen Geburtsnamen als wenig nützlich für seine schriftstellerischen Ambitionen ansieht.

Börne, im Grunde seines Herzens Anarchist, engagiert sich gegen jede Form von Engstirnigkeit. 1819 gibt er die “Zeitung der freien Stadt Frankfurt“ heraus, die jedoch alsbald der Zensur zum Opfer fällt. Nachzulesen ist das in Börnes Traktat „Denkwürdigkeiten der Frankfurter Zensur“. Noch einmal versucht der Vater, seinen Sohn im Staatsdienst unterzubringen, aber Börne weigert sich als Gegner der österreichischen Restaurationspolitik in der Wiener Staatskanzlei einen hochdotierten Posten anzunehmen.

Ludwig Börne zieht es trotz aller Beschwernisse vor, freiheitlich publizistisch tätig zu bleiben. Er schreibt für die wenigen liberalen Zeitungen in deutschen Landen und engagiert sich leidenschaftlich für die Bewegung „Junges Deutschland“. 1830 lässt sich Ludwig Börne in Paris nieder, von wo aus er für eine Revolution in Deutschland streitet. In einem seiner vielen Briefe aus Paris lässt er seiner Abneigung gegen den literarischen Übervater Goethe freien Lauf. „Seit ich fühle, habe ich Goethe gehaßt, seit ich denke, weiß ich warum“. Auch seinem Pariser Ko-Exilanten Heinrich Heine, mit dem er lange befreundet ist, wirft Börne mangelnden Mut im Dienste der Wahrheit vor. Am 12. Februar 1837 stirbt Ludwig Börne, der zeitlebens kränklich gewesen war, nach langjähriger Lungenkrankheit in Paris. Wie der hassgeliebte Zeitgenosse Heinrich Heine wird Ludwig Börne auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise begraben.

Seit 1993 wird in Frankfurt am Main der Ludwig-Börne-Preis verliehen für bedeutende Leistungen in der deutschsprachigen Publizistik, auch wenn sich nicht alle PreisträgerInnen von Börnes Erkenntnis beflügeln lassen, die auf den Forderungen der Französischen Revolution fußt: „Als Gott die Welt erschuf, da schuf er den Mann und das Weib, nicht Herrn und Knecht, nicht Juden und Christen, nicht Arme und Reiche.“

Foto: Einem Gemälde Moritz David Oppenheims nachempfunden. Sammlung Manskopf an der Johann Wolfgang von Goethe Universität, Frankfurt am Main

 

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