Erich-Wegner-Weg

An der Nordseite des Stadtfriedhofs führt von der Straße „An der Engesohde“ als Stichstraße der Erich-Wegner-Weg an. Benannt ist er seit 1990 nach dem Maler Erich Wegner.

Erich Wegner

Erich Wegner
 

Geboren am 12. Juli 1899 als Sohn eines Postboten im mt Gnoien - das liegt im heutigen Landkreis Güstrow - wächst Erich Wegner in der Hafenstadt Rostock auf, ihn schon als Kind mit ihrem Hafen und ihren Werften prägt. Stundenlang treibt sich der kleine Erich am Hafen herum und so erstaunt es nicht, dass sein kindlicher Berufswunsch Seemann lautet. Bereits im kindlichen Alter offenbart Erich Wegner sein zeichnerisches Talent. Er trotz dem väterlichen Wunsch, die Beamten- oder Angestelltenlaufbahn einzugehen und erhält 1917 eine Stelle als Volontär in der Malerwerkstatt des Rostocker Stadttheaters. Wegner muss die Ausbildung im letzten Jahr des ersten Weltkriegs abbrechen, weil er als Soldat eingezogen wird.

1919 wird Erich Wegner als Student an der Kunstgewerbeschule Hannover angenommen. Dort lernt er Friedrich Busack, Grethe Jürgens, Hans Mertens, Gerta Overbeck und Ernst Thoms kennen. Alle zusammen werden mit anderen Künstlern später als Gruppe „Neue Sachlichkeit“ bezeichnet. Von 1921 bis 1925 zieht Erich Wegner gemeinsam mit Ernst Thoms durch die deutschen Lande. Beide verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Theatermaler, Werbegrafiker oder Anstreicher. Die Erfahrungen in unterschiedlichen Milieus prägen die beiden Freunde. Wegner zeichnet Huren und Säufer, Arbeiter und Arbeitslose und macht sich einen Namen mit seinen „Mordbildern“, auf denen er vor allem ermordete Frauen verewigt. Das ist selbst in den künstlerisch freizügen 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein starkes Stück.

1924 bekommt Erich Wegner von der „Niedersächsischen Arbeiterzeitung“ der KPD den Auftrag, den Haarmann-Prozess als Pressezeichner zu begleiten. „Er tat es nicht zimperlich und griff weiter. Er zeigte die Ordnungshüter in ihrer Phantasielosigkeit, man sah zwei Polizisten ahnungslos an einem Fenster vorbei bummeln, hinter dessen Gardine der Mörder die Leiche zerhackte. Es war ein harter Zugriff, und diese obszöne Sicht und Darstellung war selbst den Redakteuren zu viel; mit der Zusammenarbeit war es aus“, erinnert sich ein Zeitgenosse. Nach der Heirat mit Katharina Engel und der Geburt des Sohnes Klaus schlägt sich Erich Wegner mit künstlerischen Gelegenheitsarbeiten durch. 1928 kauft die Stadt Hannover die Bilder „Winterlandschaft“ und „Straße mit Leuchtturm“.

Dann wird die Macht an die Nazis übertragen. Sie belegen Erich Wegner zwar nicht mit Berufsverbot, aber schikanieren ihn und seine Familie mit Festnahmen und Hausdurchsuchungen, die so viel Schrecken hinterlassen, dass Wegner einen Teil seiner Arbeiten vernichtet. 1937 beschlagnahmen die Nazis Wegners „Straße mit Leuchtturm“ als „entartet“. 1939 wird Erich Wegner eingezogen und in den Krieg geschickt. Das Ende erlebt er in sowjetischer Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr wird Erich Wegner 1946 Dozent an der Volkshochschule in Hannover, erhält zum ersten Mal ein auskömmliches Einkommen und, wichtiger noch, Raum für seine künstlerische Arbeit. 1951 ehrt ihn das Wilhelm-Busch-Museum zwar mit einer großen Retrospektive, aber erst mit Beginn der 60er Jahre kann Erich Wegner seine Arbeiten national und international präsentieren. 1972 erhält Erich Wegner für seine Arbeit „Die Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover“ und 1979 das „Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens“. Erich Wegner stirbt am 11. Dezember 1980 in Hannover. Sein städtisches Ehrengrab liegt auf dem Stadtfriedhof Engesohde.

Erich Wegner Foto: HAZ-Hauschild-Archiv, Historisches Museum

 

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