Freundallee

Von der Hans-Böckler-Allee biegt stadtauswärts hinter der Schwesternhausstraße die Freundallee ab und führt zum Bischofsholer Damm. Das Gelände der Synagoge liegt mit der Rückseite an der Freundallee, die 1961 auf Bitten der jüdischen Gemeinde nach dem letzten hannoverschen Landrabbiner Dr. Samuel Freund benannt worden ist.

Samuel Freund

Samuel Freund
 

Samuel Freund wird als Sohn des Kaufmanns Isidor Freund am 24. September 1868 im oberschlesischen Gleiwitz geboren. Zur Schule geht er in der „schlesischen Hauptstadt“ Breslau. An der dortigen Universität nimmt Samuel Freund das Studium der Philosophie und der orientalischen Sprachen auf. Gleichzeitig lässt er sich am Jüdisch-Theologischen Seminar zum Rabbiner ausbilden. 1892 wird er an der Universität in Heidelberg promoviert. Zurück in Breslau wird Freund Lehrer an der Religionsschule der jüdischen Gemeinde. 1893 wird Samuel Freund in Czarnikau zum Rabbiner gewählt. 1898 wählt ihn dann die Gemeinde in Ostrowo zum Rabbiner.

1907 erhält Samuel Freund aus Hannover den Ruf, als zweiter Rabbiner an der dortigen Synagogengemeinde tätig zu werden. Er nimmt den Ruf an und wird gleichzeitig Lehrer an der Religionsschule der Gemeinde. Außerdem ist er für den jüdischen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen zuständig. Sein bekanntester Schüler ist der Schriftsteller Werner Kraft, der nach seiner Flucht vor den Nazis in Israel zum „Sachwalter Goethes“ wurde.

Mit seinem Buch „Tatsachen zur Judenfrage“ wird Samuel Freund zum Sachwalter jüdischer Interessen. Freund scheut sich nicht, auch den antisemitischen Schreihälsen innerhalb und außerhalb der völkischen Parteien Paroli zu bieten. Großes Ansehen erwirbt er sich, als er 1921 den Chefredakteur des „Völkischen Beobachter“, Dietrich Eckardt, öffentlich zwingt, die Verdienst jüdischer Weltkriegsteilnehmer anzuerkennen.

1924 wird Samuel Freund zum hannoverschen Landrabbiner gewählt. Er übernimmt Ehrenämter im „Allgemeinen Rabbinerverband“ und im „Preussischen Landesverband jüdischer Gemeinden“. Sein Vermächtnis als Landrabbiner ist die 1937 erschienene Broschüre „Geschichte des Landrabbinats“. Im September 1938 tritt Samuel Freund in den Ruhestand. Der währt nur wenige Wochen, denn nach der „Pogromnacht“ wird der Rabbiner Emil Schorch nach Buchenwald verschleppt. Schorch emigriert unmittelbar nach der Entlassung aus dem KZ nach England, und Samuel Freund füllt als Rabbiner die Vakanz und betreut die jüdische Gemeinde. Samuel Freund stirbt am 28. Juni 1939 in Hannover. Er wird auf dem bereits 1924 offiziell geschlossenen jüdischen Friedhof „An der Strangriede“ begraben. Samuels Freunds Witwe Minna wird 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Samuel Freund. Foto: Historisches Museum Hannover

 

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