Freytagstraße

Von der Hildesheimerstraße geht unmittelbar vor der Geibelstraße die Freytagstraße ab. Sie kreuzt die Alte Döhrener Straße und mündet in die Mommsenstraße. Benannt ist sie seit 1889 nach dem Literaturwissenschaftler, Journalisten und Schriftsteller Gustav Freytag.

Gustav Freytag

 

Neben Theodor Fontane und Wilhelm Raabe zählt Gustav Freytag zu den wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Geboren wird Freytag als Sohn eines Arztes im oberschlesischen Städtchen Kreuzburg. Er besucht das Gymnasium im benachbarten Oels und studiert ab 1835 an der Universität in Breslau Philologie und Kulturgeschichte. Einer seiner Hochschullehrer ist Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Gustav Freytag wird 1838 mit einer Arbeit „Über die Anfänge der deutschen Poesie bei den Germanen“ promoviert und arbeitet nach seiner Habilitation von 1839 bis 1847 als Privatdozent an der Universität Breslau. Während dieser Zeit entstehen seine ersten, wenig erfolgreichen Theaterstücke.

1848 geht Gustav Freytag nach Leipzig, wird Mitherausgeber der einflussreichen nationalliberalen Zeitschrift „Die Grenzboten“ und verfasst politische Artikel, die ihn auf eine preußische Fahndungsliste bringen. Politisches Asyl findet er bei dem liberalen Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, der ihn 1854 mit dem Titel eines Hofrats beleiht. Von 1867 bis 1870 ist Freytag Abgeordneter der Nationalliberalen Partei im Reichstag des Norddeutschen Bundes, tritt aber aus Enttäuschung über Bismarcks Politik zurück. Er ist ein entschiedener Gegner der Kleinstaaterei und Verfechter eines Einheitsstaates unter preußischer Führung.

Seinen ersten literarischen Erfolg erzielt Gustav Freytag 1844 mit dem Lustspiel „Die Brautfahrt oder Kunz von den Rosen“, für das er mit dem Preis der Berliner Hofbühne ausgezeichnet wird. Nach einigen, wenig erfolgreichen Stücken erlangt Gustav Freytag 1854 mit dem Lustspiel „Die Journalisten“ Berühmtheit in deutschen Landen, indem er sich kleinbürgerliche Spießigkeit hermacht und eine Darstellerin sagen lässt: „Rauchen Sie Tabak, mein Gemahl, er verdirbt höchstens die Tapeten, aber unterstehen Sie sich, eine Zeitung anzusehen; das verdirbt den Charakter“.

Zwischen 1859 und 1867 arbeitet sich Gustav Freytag an der deutschen Geschichte ab und verfasst seine „Bilder aus der deutschen Vergangenheit“. Als Wissenschaftler widmet er sich der „Technik des Dramas“ und veröffentlicht 1863 unter diesem Titel eines der wichtigsten Lehrbücher jener Zeit.

1855 veröffentlicht Gustav Freytag jenen Roman, der seines Nachruhm nachhaltig befleckt: „Soll und Haben“. Hauptperson ist der als habgierig und verschlagen dargestellte Kaufmann Veitel Itzig. Freitag bedient sich bewusst des schon zu seiner Zeit für Juden gebräuchlichen Schimpfwortes „Itzig“. Die Debatte über Freytags antisemitische Tendenzen hält bis heute an, obwohl der Autor kaum noch gelesen wird. Als der WDR 1977 plant, „Soll und Haben“ unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder zu verfilmen, hagelt es massive Proteste. Der Literaturwissenschaftler Hans Meyer - in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Professor in Hannover tätig - schreibt Anfang 1977 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Freytags Roman ist voll antisemitischer und antislawischer Akzente. Kein Zweifel, dass „Soll und Haben“ auf das Vermächtnis mehrerer Generationen deutscher Buchleser zu Juden und Polen einen verheerenden Einfluss ausgeübt hat. Haben die Verantwortlichen im Westdeutschen Rundfunk diesen Roman tatsächlich gelesen?“
Der WDR verzichtet daraufhin auf die Produktion von „Soll und Haben“.

Auch seine scharfe Reaktion auf Richard Wagners antisemitische Schrift „Über das Judentum in der Musik“ vermag die antisemitischen Flecken in Gustav Freytags Vita nicht zu überdecken. Gustav Freytag stirbt am 30. April 1895 in Wiesbaden. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof seines Wohnorts Siebleben, der heute ein Stadtteil Gothas ist.

Gustav Freytag: Abbildung von Karl Staufer-Bern 1886/87

 

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