Gneiststraße

An der Rückseite des Sprengelmuseums führt die Gneiststraße von der Willy-Brandt-Allee zur Straße Auf dem Emmerberge. Seit 1903 ist sie nach dem Juristen und Politiker Rudolf von Gneist benannt. Davor war die Gneiststraße Teil der Straße auf dem Emmerberge.

Rudolf von Gneist

Rudolf von Gneist
 

Heinrich Rudolf Hermann Friedrich von Gneist gilt vielen Juristen als „Vater“ des modernen, unabhängigen Verwaltungsrechts. Geboren wird er am 13. August 1816 in Berlin, wohin er 1833 nach dem Besuch des Gymnasiums in Eisleben zurückkehrt, um Rechtswissenschaften zu studieren. Nachdem er 1838 sein Studium mit der Promotion abgeschlossen hat und nach seiner Habilitation im darauffolgenden Jahr, lehrt Rudolf von Gneist zunächst als Privatdozent an der Berliner Universität. 1845 wird er zum außerordentlichen und 1858 zum ordentlichen Professor für Zivilrecht und Pandekten an die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität berufen. Sein wissenschaftliches wie politisches Hauptinteressengebiet ist die Staats- und Verwaltungsreform. Nach dem Studium der englischen Verfassungsgeschichte erarbeitet Rudolf von Gneist Grundsätze für eine preußische Verwaltungsreform. Als Vertreter der Nationalliberalen Partei zieht er 1858 in das Preußische Abgeordnetenhaus ein und ficht sich für den Ausbau Preußens zum Verfassungsstaat und für Schaffung einer unabhängigen Gerichtsbarkeit. Von Gneist propagiert die konfessionslose Schule und die Einführung der Zivilehe. Wie groß die Wertschätzung der Juristenschaft für Rudolf von Gneist ist, beweist die Tatsache, dass er insgesamt zwölf Mal als Präsident des Deutschen Juristentages fungierte. Als Mitgründer und erster Präsident des „Vereins für Sozialpolitik“ zieht Rudolf von Gneist den Spott Rosa Luxemburgs auf sich, die die in diesem Verein versammelten Gelehrten als „Kathedersozialisten“ bezeichnet. Wegen seiner Verdienste um das Gemeinwohl wird der mittlerweile zum Geheimrat ernannte Rudolf Gneist 1888 von König Friedrich III. in den Adelsstand erhoben. Gneist stirbt hochgeehrt am 23. Juli 1895 in Berlin und wird auf dem St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg in einem Ehrengrab bestattet.

Abbildung: Rudolf von Gneist vor 1880. Urheber unbekannt. Quelle: Archiv des Corps Teutonia Gießen.

 

Hier geht es zurück zur Übersicht