Höltystraße

Die erste Straße, die stadtauswärts von der Marienstraße nach rechts abbiegt, ist die Höltystraße. Sie mündet kurz vor der Hildesheimer Straße in die Wilhelmstraße. An der dortigen Einmündung liegt das „Alte Kreishaus“. Benannt ist die Höltystraße seit 1865 nach dem Dichter Ludwig Hölty. Sie war schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts Teil der nach Hildesheim gehenden Landstraße.

Ludwig Hölty

Ludwig Hölty

Wolfgang Amadeus Mozart hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Name Hölty nicht in Vergessenheit geraten ist. In leicht abgewandelter Form hat er die Arie des Papageno aus der Zauberflöte zur Vertonung des Gedichts „Der alte Landmann an seinen Sohn“ verwandt, das wahrscheinlich ohne Mozarts Vertonung ebenso in Vergessenheit geraten wäre wie die meisten schwelgerischen Poeme Höltys. Die Eingangszeile dieses Gedichts „Üb immer Treu und Redlichkeit“ ist in die Liste der geflügelten Worte eingegangen.

Geboren wird Ludwig Heinrich Christoph Hölty am 21. Dezember 1748 als Sohn einer Pfarrersfamilie in Mariensee bei Hannover. Höltys Kindheit war von schweren Schicksalsschlägen Überschattet. 1757 stirbt seine Mutter an Schwindsucht, Hölty selbst infiziert sich mit Pocken und es dauert zwei Jahre lang, bis er wieder sehen kann. Sein Gesicht jedoch bleibt sein kurzes Leben lang von Narben entstellt.

Von 1765 bis 1768 besucht Ludwig Hölty die Lateinschule in Celle. 1769 nimmt er das Studium der Theologie in Göttingen auf und beginnt, Gedichte zu schreiben. 1770 bewirbt sich Hölty um Aufnahme in die „Deutsche Gesellschaft zu Göttingen“, eine 1738 nach Leipziger Vorbild gegründete Sprachgesellschaft, die sich der Aufklärung verpflichtet fühlt. Mit Rokokolyrik und einer religiösen Hymne wird der junge Poet aufgenommen.

Am 12. September 1772 gründete Hölty mit Johann Heinrich Voß, Johann Martin Miller, Gottlieb Dieterich von Miller, Johann Friedrich Hahn und Johann Thomas Ludwig Wehrs auf dem Kerstlingeröder Feld in Göttingen den Hainbund. Den Namen entlehnen sie bei Friedrich Gottlieb Klopstock aus dessen Gedicht „Der Hügel und der Hain“. So groß ist die Verehrung Klopstocks, dass die Hainbündler anlässlich seines Geburtstags 1773 Bücher und ein Bildnis des verhassten Christoph Martin Wieland verbrennen.

Nachdem Hölty sein Theologiestudium abgebrochen hat, verdient er sich als Hauslehrer und Übersetzer seinen Lebensunterhalt. Hölty, der sieben Sprachen beherrscht, überträgt die Werke Anthony Ashley Coopers des 3. Grafen von Shaftesbury ins Deutsche. 1773 veröffentlicht Hölty im Göttinger Musenalmanach, der Hauspostille des Hainbundes, das Gedicht „Töffel und Käthe“ und wird zum Urvater der deutschen Ballade. Höltys nicht sehr umfangreiches Werk zeichnet sich durch Ruhe und Empfindsamkeit, Formenreichtum und sprachliche Vielfältigkeit aus. Gleiches gilt für seine Lieder, die neben Mozart auch von Beethoven, Brahms, Mendelssohn-Bartholdy und Schubert vertont werden.

Von 1774 bis 1775 verbindet Hölty eine eher platonische Freundschaft mit der Muse des Hainbundes, der Schriftstellerin Charlotte von Einem, die ihn in ihrer „Jugendgeschichte“ als „annähernd und forschend“ beschreibt Voller Mitgefühl mit Höltys Schicksal schreibt Charlotte von Einem, dass „in dem allerhässlichsten Körper die schönste Engelseele“ wohne.

1775 erkrankt Ludwig Hölty an Schwindsucht. Eine Kur bleibt erfolglos. Hölty verlässt im April Göttingen und zieht in das Haus seines kurz zuvor gestorbenen Vaters in Mariensee. In Hamburg und Wandsbek trifft Hölty im Juli den verehrten Meister Klopstock, den Redakteur des Wandsbeker Boten, Matthias Claudius und den alten Hainbündler Johann Heinrich Voß. Eine Reise nach Leipzig muss 1776 aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Ludwig Hölty kehrt nach Hannover zurück, wo er am 1. September in der Leinstraße 8 im Beisein seiner Freunde Heinrich Christian Boie und Johann Thomas Luwig Wehrs an der Schwindsucht stirbt.

Beigesetzt wird Hölty auf dem alten St. Nikolai-Friedhof; die Lage der Grabstätte ist nicht bekannt. Direkt neben der Ruine der Nikolaikapelle erinnert seit 1901 ein Denkmal des Bildhauers Otto Lüer an Ludwig Hölty. Auf dem Sockel ist ein Porträt-Medaillon des Bildhauers Karl Gundelach angebracht. Darüber ist ein Gedenkvers des Dichters Nikolaus Lenau eingraviert mit den Worten:

„Hölty, Dein Freund der Frühling ist gekommen. Klagend irrt er im Haine, Dich zu finden. Doch umsonst, sein klagender Ruf verhallt in einsamen Schatten.“

Die Städte Celle und Wunstorf ehren den jung gestorbenen Dichter, indem sie Gymnasien nach ihm benannt haben. Am Neuen Rathaus in Hannover ist ein Relief-Medaillon angebracht. Gemeinsam mit der Sparkasse Hannover verleiht die Stadt Hannover seit 2008 den mit € 20.000 dotierten Hölty-Preis für Lyrik. Er gilt als bedeutendste Auszeichnung seiner Art in Deutschland. Wer ihn verliehen bekommen, sollte sich zumindest von den folgenden Zeilen des Ludwig Heinrich Christoph Hölty inspirieren lassen.

An die Phantasie

Ewig träufle dein Kelch, Zauberin Phantasie.
Seinen Himmel auf mich herab;
Ewig lächle dein Blick deinem Geweyheten,
Der an deinem Altare kniet!
Dein unsterblicher Fuß weilet, o Königin,
An den Quellen des Morgenroths;
Du entschöpfest dem Quell liebliches Rosenlicht,
Und bestrahlest die Erdenwelt.
Dein allmächtiger Wink winket den Himmel schnell
Auf die trauernde Erd herab;
Streut ein Tempe mir hin, bauet mir Lauben auf,
Bettet Betten von Rosen mir.
Du entpflückest dem Thal Edens, o Königin,
Aetherblumen zum Kranze dir;
Und umsäuselst die Stirn deiner Erkohrenen
Mit dem träufelnden Strahlenkranz.
Eine Grazie hüpft, leicht wie ein Rosenblatt,
Liebelächelnd mir auf den Schooß;
Und ich senke mein Haupt an die geliebte Brust,
Schweb in Träumen Elysiums.
Trunken wandl' ich mit ihr, strömet das Abendroth,
Durch die schlummernden Blumen hin;
Durch den purpurnen Hain, durch das Gebüsch von Gold,
Durch das schlummernde Mondenlicht;
Und aus Rosengewölk lächelt der Abendstern
Meiner Wallerin ins Gesicht.
Ewig träufle dein Kelch, Zauberin Phantasie,
Seinen Himmel herab auf mich!

Ludwig Hölty. Die Herkunft der Abbildung ist nicht bekannt.

 

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