Heinrich-Kümmel-Straße

Etwas versteckt, hinter dem Glaspalast der Nord LB liegend, führt die Heinrich-Kümmel-Straße von der Bleichenstraße zum halbrunden Platz der Langensalzastraße. Benannt wurde sie in dieser Form 1953 nach dem spätklassizistischen Bildhauer Heinrich Kümmel. Zunächst war sie für einige Jahre bis 1866 Teil der Liebfrauenstraße. Bis 1873 hieß sie „Am Mauseöhrchen“, dann wurde sie ein Teil der Großen Aegidienstraße und 1952 hieß sie zunächst Kümmelstraße. In der Großen Aegidienstraße 13 - dort befindet sch heute das Haus Heinrich-Kümmelstraße 3 - wurde am 24. Juli 1864 der Dramatiker Frank Wedekind geboren. Bis zu seinem Tod am 16. April 1992 wohnte der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Werner Holtfort in der Heinrich-Kümmel-Straße.

Heinrich Kümmel

Spätestens seit Heinrich von Kleists Anekdote „Der Branntweinsäufer und die Berliner Glocken“ ist es geläufig, mit dem Namen Kümmel Schabernack zu treiben. Allzu häufig waren Menschen im 19. Jahrhundert nach dem Genuss billigen Kümmels unzurechnungsfähig und bedurften der Ausnüchterung. Solches könnte zu jener Zeit auch auf den Pastor der St. Aegidiengemeinde zugetroffen haben, in dessen Grenzen die Familie des Hofofensetzermeister Kümmel lebte. Einige seiner Kinder starben früh und der Pastor gefiel sich mit dem Wortspiel: „Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, schon wieder einen kleinen Kümmel zu sich zu nehmen.“

Geboren wird Hannovers berühmtester Kümmel Heinrich August Georg am 2. Februar 1810. In seiner Geburtsstadt absolviert der junge Heinrich eine Lehre bei dem Bildhauer Heinrich Ludwig August Hengst, von dem die Lessing-Büste auf dem Vorbau des hannoverschen Opernhauses stammt. Nach der Lehre geht Heinrich Kümmel 1828 zum Studium nach Berlin. 1833 schließt er seine Studien nach einem kurzen Aufenthalt in Müchen bei dem dänischen Bildhauer Berthel Thorwaldsen in Rom ab. Ab 1836 arbeitet Heinrich Kümmel in der „Ewigen Stadt“ in seinem eigenen Atelier. Er freundet sich mit dem hannoverschen Gesandten beim „Heiligen Stuhl“, August Kestner an, von dem er 1845 eine Marmorbüste anfertigt. Kestner bedankt sich mit einem Porträt Heinrich Kümmels.

1842 kehrt Heinrich Kümmel vorübergehend Zeit in seine Geburtsstadt zurück und beteiligt sich mit seinem ehemaligen Lehrmeister Heinrich Hengst an der Gründung des Hannoverschen Künstlervereins. Zurück in Rom gehört Heinrich Kümmel 1845 zu den Mitgründern des dortigen „Deutschen Künstlervereins“. Ab 1847 entsteht Kümmels bekannteste Skulptur: das Standbild des Generals Carl August Graf von Alten, der 1815 bei Waterloo wesentlichen Anteil am Sieg der Alliierten über Napoleon hatte. 1849 wird das Standbild vor dem Gebäude des Königlichen Archivs am Waterlooplatz aufgestellt, wo es noch heute zu besichtigen ist.

Heinrich Kümmel stirbt am 30. Dezember 1855 in Rom und wird auf dem Protestantischen Friedhof an der Cestius-Pyramide beigesetzt, wo auch August Kestner und Goethes Sohn August, sowie die englischen Poeten John Keats und Percy Bysshe Shelley und der Mitgründer der Kommunistischen Partei Italiens, Antonio Gramsci ihre letzte Ruhestätte haben.

 

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