Ein Bier, ein Wein, ein Mord | Süffiges Mordsvergnügen | Kriminelles aus Hannovers Kneipen

 

Das ist schon beinhart: Zu spät dran, es regnet - auch das noch - der Stammplatz am kurzen Tresen ist besetzt -auch das noch -, das Bier lässt auf sich warten - kann ja mal passieren - also erst einmal ein schneller Gang aufs Klo, bevor der Tatort beginnt, und dann steht da eine vermummte Blondine mit ‘ner Knarre in der Hand und sagt „Hosen runter“. Die Krönung eines solchen Abends wäre dann die Niederlage der Roten, aber das ist ein anderes Thema.

Hier geht es um andere Krimis: „Solche, die auch ohne notorische Blondine einen wirklich spannenden Tatort abgeben“. Das ist nicht ganz richtig, denn es handelt sich um sieben Tatorte, die sich - nicht ganz zufällig - in ausgesuchten hannöverschen Kneipen befinden. Die mit der heruntergelassenen Hose ist der „Kalabusch“, den der Rezensent numehr nur noch mit großer Vorsicht betritt. Es könnten ja Krimionkels und-tanten dasein, ihren Stammtisch ausrichten, harmlos ein Bier oder einen Wein trinken und einen Mord in Angriff nehmen, der dann vielleicht in Hannovers altem Currywurst-Tempel Plümecke verübt wird.

Dort ist ohnehin schon manches ausgeheckt worden. Der bekennende Weißbiertrinker Richard Birkefeld behauptet zwar „... du kommst, siehst und gehst vorüber“, aber das kann nicht sein. Wer kann schon an Plümecke vorbeigehen. Gerhard Schröder jedenfalls nicht, als er an jenem Abend 1986 zwar seinen persönlichen Wahlsieg feiern kann, aber glechzeitig die Niederlage von rot-grün begießen muss. Das jedoch stinkt ab gegen die Feststellung des Wirts, „dass er Irmchen heute noch gar nicht gesehen habe“. Birkefeld behauptet allen Ernstes, dass es in jenem Moment „ganz still“ in der Kneipe geworden sei.

Wer‘s glaubt, kann sich gleich ins Teestübchen begeben, das zwar keine Kneipe im herkömmlichen Sinne ist, Cornelia Kuhnert aber gleichwohl nach „Irrtum und Wahrheit“ forschen lässt. Wahrheit liegt vermeintlich im Weine, aber die Autorin steht eher auf Lagavulin, was den Rezensenten neugierig macht. Schottisches Moorwasser in der Altstadt? Kaum vorstellbar. Verbrechen schon eher. Hier holten die Nazis Frauen und Männer aus den armseligen Häuschen, misshandelten sie und brachten sie ins KZ. Wenige überlebten, Rukeli Trollman, der Box-Champion nicht. Er war „Zigeuner“.

Bei Kaiser rastet der Koch aus und verschwindet samt Küchenmesser. Ganz nebenbei werden Doktorarbeiten verkauft, die als Fälschungen garantiert nicht aufffliegen. Beides hängt zusammen und der Koch wird eines Tages geschächtet in Kaisers Nähe gefunden. „Aber, was soll‘s“ - als Wirt kann man sich seine Gäste nicht aussuchen und schon gar nicht suchen.“ Auf diese Suche sollten sich kneipenbegeisterte Kriminfans begeben, auch wenn diese gelegentlich im Fiasko enden kann. Lothar Pollähne

 

Susanne Mischke, Bodo Dringenberg, Ein Bier, ein Wein, ein Mord, zu Klampen-Verlag, Springe, 2012, 140 S., € 7,99. Erhältlich in ausgesuchten Fachkneipen und kundigen Buchhandlungen


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