Karl-Thiele-Weg

Der westlichste und gleichzeitig mit 3,4 Kilometern längste Verkehrsweg der Südstadt führt vom Arthur-Menge-Ufer im Norden am westlichen Maschseeufer entlang bis zum Ende des Rudolf-von-Bennigsen-Ufers im Süden und ist - von Ausnahmen abgesehen - Fußgängern, Skatern und Fahrradfahrern vorbehalten. An Wochenenden ist der Karl-Thiele-Weg eine der am stärksten genutzten Verkehrsadern Hannovers. Benannt ist der Weg seit 1957 nach dem Tischlermeister, Kanu-Pionier und „Maschsee-Vater“ Karl Thiele.

 

Karl Thiele

Geboren wird Karl Thiele am 16.Oktober 1867 in Hannover als Sohn eines Tischlers. Dass er den Beruf des Vaters ergreift, ist in jener Zeit durchaus die Regel. 1882 nimmt Karl Thiele seine Tischlerlehre auf und schließt sie mit dem Erwerb des Meistertitels ab. Schon als Heranwachsender entdeckt Thiele das Wasser als Sportstätte und verschreibt sich dem Kanusport. Aus Brettern der väterlichen Tischlerei fertigt er sein erstes Boot an. Am 29. November 1883 gründet Karl Thiele mit sechs Gleichgesinnten den „Hannoverschen-Canoe-Club“. Dies ist höchstwahrscheinlich der erste Kanuclub in deutschen Landen. Den damals dominierenden Ruderclubs gefällt diese Namensgebung nicht. Thiele und seine Freunde nennen den Club 1885 um in „Hannoverscher Ruderverein Triton“. Dieser ist die Keimzelle des „Hannoverschen Kanu-Clubs von 1921“, der sein Domizil zunächst im Glocksee-Viertel am Zusammenfluss von Leine und Ihme findet. 17 Jahre lang sitzt Karl Thiele im Vorstand des Kanu-Clubs, fünf Jahre davon als 1. Vorsitzender. 1935 ernennt ihn die Vereinsführung zum Ehrenvorsitzenden. In diesem Jahr kann er etwas entstehen sehen, von dem er seit 1903 geträumt hat: den Maschsee, dessen Bau die Nazis ein Jahr zuvor mit Zwangsarbeitsmaßnahmen in Angriff genommen hatten. Sie konnten sich dabei auf einen Beschluss des Bürgervorsteherkollegiums aus dem Jahr 1932 beziehen. Dieses wiederum konnte auf die Überzeugungsarbeit der von Karl Thiele 1904 gegründeten „Maschsee-Kommission“ zurückgreifen. Karl Thiele gilt daher heute zurecht als „Vater des Maschsees“. Noch zu Lebzeiten erlebt Karl Thiele den Umzug „seines“ Kanu-Clubs und des „Hannoverschen Ruderclubs von 1880“, dessen Kanu-Abteilung er zeitweise leitete, in die neuen Bootshäuser am Westufer des Maschsees. Dass beide Vereine seit 1957 ihre Postadresse am Karl-Thiele-Weg haben ehrt den Kanu-Pionier in angemessener Weise. Karl Thiele, den der Hannoversche Ruderclub von 1880 auf dem Vereinsgelände mit einen Gedenkstein ehrt, stirbt am 6. September 1940 in Hannover.

 

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