Kortumstraße

Von der Sallstraße führt in westlicher Richtung die Kortumstraße bis zur Großen Barlinge. Sie liegt zwischen der Detmoldstraße und der Straße Am Bokemahle. Von 1852 bis 1930 hieß sie Buschstraße, danach bis 1936 Wilhelm-Busch-Straße. Seither ist sie nach dem Arzt und Schriftsteller Carl Arnold Kortum benannt.

Carl Arnold Kortum

Carl Arnold Kortum, Selbstbildnis aus dem Jahr 1782
 

Carl Arnold Kortum
Selbstbildnis aus dem Jahr 1782

Carl Arnold Kortum wird am 5. Juli 1745 als Sohn des Apotheken-Provisors Christian Friedrich Kolmar und der Apothekerstochter Maria Helena Kortum in Mülheim in der damaligen Herrschaft Broich geboren. Kortum besucht das altehrwürdige Archigymnasium in Dortmund, wo er Grundkenntnisse in Anatomie und Pharmakologie vermittelt bekommt. Ab 1763 studiert Kortum in Duisburg Medizin. Mit einer Dissertation über Epilepsie wird er 1766 zum Doktor der Medizin promoviert. Um die Approbation für Preußen zu erhalten, absolviert Kortum danach einen Kursus an der Charité in Berlin und lässt sich dann als Arzt in Mülheim nieder. Bereits 1770 zieht Carl Arnold Kortum nach der Heirat mit seiner Cousine Helena Margaretha Ehinger in deren Geburtsstadt Bochum und eröffnet dort eine Arztpraxis.

Von 1792 bis 1807 versieht Carl Arnold Kortum in Bochum das Amt des Bergarztes wahr und kümmert sich um die hygienische Betreuung der Bergleute. Als Verfasser etlicher Aufklärungsschriften beschäftigt sich Kortum mit Untersuchungen über Nahrungs- und Genussmittel und mit geriatrischen Fragen.  Im Mittelpunkt der ärztlichen Tätigkeit stehen - seinem Aufgabengebiet entsprechend - Berufskrankheiten der Bergleute. Carl Arnold Kortum gilt als einer der Schrittmacher der Pockenschutzimpfung.

1796 gründet Kortum die „Hermetische Gesellschaft“. Der Name passt, denn diese als Bluff gedachte Vereinigung besteht nur aus Kortum und einem befreundetem Arzt. Zwei Jahrzehnte lang veräppelt Carl Arnold Kortum die zeitgenössische Gesellschaft mit skurrilen Geschichten aus der Provinz. Schon 1784 hatte Kortum die Kunstfigur des Hieronimus Jobs erfunden, einen Nichtsnutz, der sich den weltlichen Genüssen hingibt anstatt brav Theologie zu studieren. Mit der Veröffentlichung der Jobsiade, die er selbst illustriert, erweckt Kortum den Hieronimus Jobs zu neuem Leben. Dabei orientiert er sich an Vorbildern wie Hans Sachs und Jonathan Swift.

Carl Arnold Kortum ist ein äußerst vielseitiger Mensch. Die Geschichte der Stadt Bochum interessiert ihn ebenso wie die Naturgeschichte. Mit Untersuchungen von alten Skeletten macht er sich zum Vorläufer der Paläontologie. Große Bedeutung erlangt Kortum 1809 mit der „Skizze einer Zeit- und Literaturgeschichte der Arzneikunst“, in der er rund 4000 Mediziner und Wissenschaftler und ihre Bedeutung für die Heilkunde darstellt. Carl Arnold Kortum stiebt am 15. August 1824 in Bochum. Dass in Hannover eine Straße nach dem bedeutenden Gelehrten benannt worden ist, liegt einzig in der Tatsache begründet, dass Wilhelm Busch 1874 in Anlehnung an Kortum eine Billdergeschichte mit dem Titel „Jobsiade“ veröffentlichte. Daher rührte 1936 die Umbenennung der Wilhelm-Busch-Straße in Kortumstraße.

Carl Arnold Kortum, Selbstbildnis aus dem Jahr 1782

 

Hier geht es zurück zur Übersicht