Lehzenstraße

Westlich der Wiesenstraße befindet sich in leicht versetzter Verlängerung der Sextrostraße die Lehzenstraße als Sackgasse. Vom Ende des Wendehammers wird sie als Durchgang zur Straße „Auf dem Emmerberge“ fortgeführt. Benannt ist die Straße seit 1957 nach dem Ministerialvorstand Wilhelm Lehzen.

Wilhelm Lehzen

Johann Heinrich Wilhelm Lehzen wird am 5. Januar 1806 zu Neustadt unter dem Hohnstein bei Ilfeld am südlichen Rande des Harzes geboren. Der Vater ist Jurist und wird bald nach der Geburt des Sohnes nach Verden  versetzt und 1811 an ein Tribunal erster Instanz in das unter napoleonischer Herrschaft stehende Osnabrück. Wilhelm Lehzen besucht bis 1824 das ehrwürdige Ratsgymnasium und studiert danach die Rechtswissenschaften in Göttingen. Nach seinem ersten Examen wird er zunächst nach Leer und dann nach Osnabrück abgeordnet. Mit dem zweiten Examen in der Tasche wird Wilhelm Lehzen zum „supernumären Amtsassessor“ an das Amt Hagen berufen, wo er sich Kenntnisse im Verwaltungswesen erwirbt.

Nach einer Zwischenstation in der Landdrostei Stade wird Wilhelm Lehzen 1835 in das Ministerium des Inneren nach Hannover berufen, wo er sich um die Reform des bäuerlichen Immobilien- und Erbrechts kümmert. 1842 wird der geheime Kanzleisekretär Wilhelm Lehzen in Osnabrück zum Schatzrat ernannt. Dort lernt er den Calenbergischen Grafen Bennigsen kennen. Dieser beruft Lehzen 1848 zum Minister für Handel und Finanzen für das Königreich Hannover. Lehzen reformiert das Kassenwesen und gilt nicht nur aus diesem Grund als Reformer. Es gelingt ihm, gegen erheblichen Widerstand das Jagdrecht und das königliche Forstwesen zu reformieren und die adligen Privilegien außer Kraft zu setzen. Das soll sich rächen, denn der stockkonservative Adel erwirkt beim Hannoverschen König Ernst August Lehzens Entlassung.

Ob seiner Kenntnisse bleibt Wilhelm Lehzen ein gefragter Ratgeber für seine, dem König genehmen Nachfolger. So bleibt er in der zweiten Kammer des Hannoverschen Parlaments als Referent für Finanzen und Volkswirtschaft aktiv und arbeitet erfolgreich gegen reaktionäre Verfassungsänderungen. Mit einigen der von Ernst August entlassenen Politikern trifft sich Wilhelm Lehzen außerhalb der Landesgrenzen in Bielefeld, um weitere Beschädigungen der Landesverfassung zu verhindern. Das trägt ihm den Vorwurf ein, er behindere mit Hilfe der parlamentarischen und demokratischen Parteien die Arbeit der eingesetzten Minister.

Der Versuch, Wilhelm Lehzen im Dezember 1855 bei Neuwahlen zur zweiten Kammer aus dem politischen Geschäft zu drängen, misslingt den Königstreuen. Er wird mit einem famosen Ergebnis wiedergewählt. Sein Mandat kann er jedoch nicht annehmen, weil ihn Anfang 1856 eine heftige Lungenentzündung auf das Krankenbett wirft, an der am 3. März des Jahres stirbt. Selbst nach seinem Tod unterliegt Wilhelm Lehzen der staatlichen Beobachtung. Die Teilnehmer an dem für ihn veranstalteten Leichenzug werden namentlich registriert. Wilhelm Lehzen geht in die Geschichte des Königreiches Hannover ein als Verfasser eines zweibändigen Standardwerkes über „Hannovers Staatshaushalt“.

In den einschlägigen Nachschlagewerken ist Wilhelm Lehzen nicht verzeichnet. An der Stelle seines ehemaligen Wohnhauses befindet sich heute an der Maschsstraße  in Hannovers Südstadt ein imposantes Verwaltungsgebäude, das Teil der Region Hannover ist. Von dort führte von 1874 bis 1955 die erste Lehzenstraße Hannovers, die über das heutige Gelände der Region Hannover bis zur Hildesheimer Straße führte.

 

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