Lindemannallee

Vom Bischofsholer Damm zweigt parallel zur Alten Bult die Lindemannallee nach Westen ab und führt bis zur Eisenbahnbrücke am Bismarckbahnhof. Auf dem Grundstück des Hauses Lindemannallee 19 haben zwei steinerne Riesenkrokodile ihr Domizil gefunden, die 1934 von dem Bildhauer Peter Schumacher geschaffen wurden und ursprünglich an der Löwenbastion am Maschsee aufgestellt werden sollten. Benannt ist die Allee nach dem früheren Hannöverschen  Stadtdirektor Georg Lindemann.

Georg Lindemann

Georg Lindemann 1954. Foto: Alice Prechtel-Hofmann, Quelle: Historisches Museum Hannover,  © Landeshauptstadt Hannover
 

Georg Lindemann 1954.
Foto: Alice Prechtel-Hofmann
Quelle: Historisches Museum Hannover,
© Landeshauptstadt Hannover

Geboren wird Georg Lindemann am 25. Juni 1885 in der damaligen preußischen Provinzhauptstadt Hannover als Sohn eines Buchhändlers. Nach dem Abitur am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium studiert Lindemann von 1904 bis 1907 Rechtswissenschaften an den Universitäten Marburg und Göttingen. 1912 legt er in Berlin die große juristische Staatsprüfung ab und kehrt danach in seine Geburtsstadt Hannover zurück, wo er am 1. Januar 1913 mit Georg Lenzberg, einem späteren Kommunalpolitiker der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und Paul Siegel eine gemeinsame Kanzlei eröffnet.

Der Erste Weltkrieg unterbricht Georg Lindemanns juristische Karriere. Er muss als Soldat einrücken. Im November 1918 wird Lindemann zunächst in den Soldatenrat beim Generalkommando und danach in den Arbeiter- und Soldatenrat der Stadt Hannover gewählt, wo er auf Hannovers späteren ersten sozialdemokratischen Oberbürgermeister Robert Leinert trifft. Am 20. Januar 1919 tritt Georg Lindemann als Jurist in die Dienste der Stadtverwaltung Hannovers. Schon am 4. Juni desselben Jahres wird er zum besoldeten Senator Hannovers gewählt und mit der Zuständigkeit für die Bereiche Wirtschaft und Ernährung, das Marktwesen und die Verwaltung der städtischen Grundstücke und Güter betraut. Am 1. Juli 1919 tritt Lindemann in die SPD ein.

Nach der Gemeindewahl am 17. November 1929, bei der die SPD mit 48,6 % die Mehrheit der Sitze im Bürgervorsteherkollegium erringt, sieht die Partei die Chance, drei freie Senatorenstellen und den Posten des Bürgermeisters zu besetzen. Georg Lindemann wird zum Bürgermeister gewählt, kann diese Stelle aber nicht antreten, weil der sozialdemokratische preußische Innenminister Carl Severing die Wahl für nichtig erklärt. Ausschlaggebend für diese merkwürdig anmutende Entscheidung ist die nach wie vor gültige Hannoversche Städteordnung aus dem Jahr 1858, nach der nur der Magistrat zur Wahl von besoldeten Magistratsmitgliedern aufrufen kann. Der ist jedoch unter dem stockkonservativen Oberbürgermeister Arthur Menge konservativ dominiert und will keine Sozialdemokraten in seinen Reihen sehen. Proteste der SPD gegen diese Entscheidung bleiben erfolglos.

Nach der Machtübertragung an die Nazis „bittet“ Georg Lindemann schriftlich um seine Beurlaubung mit der Begründung, durch seine Person „keinerlei Störungen oder Erschwerungen in der Verwaltung“ zu veranlassen. Es darf unterstellt werden, dass dieses Ersuchen nicht ganz freiwillig aufgesetzt wurde. Am 1. August 1933 wird Georg Lindemann auf der Grundlage des „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem Dienst entlassen. Damit verliert er neben dem Arbeitsplatz auch seine Pensionsansprüche. Da er sich nicht mit den Nazis gemein gemacht hat, wird Georg Lindemann am 7. Mai 1945 von der britischen Besatzungsmacht zum Bürgermeister Hannovers ernannt. Er übernimmt damit eine Mammutaufgabe, denn seine Geburtsstadt liegt weitgehend in Trümmern und demokratische Strukturen gilt es erst noch aufzubauen.

Wenige Wochen nach dem Ende der ersten „Hannover-Messe“, die seiner seinerzeit noch „Export-Messe“ heißt, wird Georg Lindemann am 9. November 1947 zum Stadtdirektor berufen und erlangt damit seinen Beamtenstatus zurück. Lindemann wird wieder für die Wirtschaftsentwicklung zuständig und kümmert sich vordringlich um die Ernährungslage der Bevölkerung. Obendrein fällt der Bereich der Kultur in seinen Amtsbereich und zum Ende seiner Dienstzeit auch noch das städtische Gesundheits- und Sozialwesen. Obwohl er kulturpolitisch eher konservativ ausgerichtet ist nach dem Motto „Keine Experimente und lebensfremde literarische Spekulationen“, erwirbt sich Georg Lindemann bleibende Verdienste um die Reorganisation des Hannöverschen und westdeutschen Theaterwesens. Am 29. Oktober 1954 wird Georg Lindemann aus den Diensten der Stadt Hannover entlassen. Er stirbt am 29. Oktober 1961 in seiner Geburtsstadt, die ihn und die er maßgeblich mitgeprägt hat. Begraben ist Georg Lindemann auf dem Stadtfriedhof Engesohde.

Georg Lindemann 1954.
Foto: Alice Prechtel-Hofmann, Quelle: Historisches Museum Hannover,  © Landeshauptstadt Hannover

 

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