Ex-Elkartallee

Die erste Straße, die in der Südstadt stadteinwärts von der Hildesheimerstraße abbiegt, hieß bis zum 5. Januar 2015 Elkartallee. Sie war 1960 nach Karl Elkart benannt worden, der jahrzehntelang als Stadtbaurat das Gesicht Hannover geprägt hat. Von 1897 bis 1960 war die Elkartallee Teil der Bismarckstraße. Da sich Elkart, der seit 1933 Fördermitglied der SS und seit seiner Wiederwahl zum Stadtbaurat 1937 Mitglied der NSDAP war, maßgeblich an der Beraubung jüdischer Mitbürger und der Ausbeutung von Zwangsarbeitern beteiligt hatte, beschloss der Stadtbezirksrat Südstadt-Bult die Umbenennung der Elkartallee in Hilde-Schneider-Allee. Die Umbenennung ist am 5. Januar 2015 mit der Enthüllung der neuen Straßenschilder in Kraft getreten.

Karl Elkart

Karl Elkart
 

Kein anderer hat das Bild der Landeshauptstadt Hannover zwischen den beiden Weltkriegen so nachhaltig beeinflusst wie Karl Elkart, der am 8. September 1925 zum Senator und Stadtbaurat ernannt wird. Elkart wird am  15. September 1880 in der württembergischen Kleinstadt Altshausen geboren. Er studiert an der TH Stuttgart Architektur und geht nach dem 1. Staatsexamen 1903 nach Altona, um dort die zweite Phase  seiner Ausbildung zu absolvieren. Nach dem 2. Staatsexamen arbeitet Elkart von 1907 bis 1912 als Staatsbaumeister in Hamburg. Danach geht er nach Bochum und wird dort Vorstand des Neubau- und Planungsamtes. 1918 wird Karl Elkart zum Stadtbaurat der damals noch selbständigen Stadt Spandau ernannt. 1922 beschäftigt ihn die Einheitsgemeinde Groß-Berlin als Städtebaudirektor. Dort ist Elkart maßgeblich an der Erarbeitung einer neuen Bauordnung und Bauleitplanung beteiligt.

Unmittelbar nach seinem Amtsantritt in Hannover verantwortet Karl Elkart 1925 den „Flächenverteilungsplan zur Generalbebauung“, und er initiiert ein auf 20 Jahre angelegtes Bauprogramm. Als Folge der danach einsetzenden Baumaßnahmen erhält die Stadt ihr „rotes“ Gesicht. Große Teile der Südstadt, der Liststadt und der Gartenstadt Kleefeld werden im Stile der „Neuen Sachlichkeit“ geplant und gebaut, wobei Elkart das Verdienst der Leitplanung zukommt. Viele Gebäude allerdings die dem Architekten Elkart zugeschrieben werden, hat dieser - wenn überhaupt - nur beaufsichtigt. So sind das Gebäude der Stadtbibliothek an der Hildesheimerstraße und die heutige Bertha-von-Suttner-Schule Entwürfe des Architekten Hans Bettex.

Nach der Machtübertragung an die Nazis ist Karl Elkart maßgeblich an der gigantomanischen Planung der „Gauhauptstadt“ Hannover beteiligt, deren einziges sichtbares Zeugnis der Maschsee ist. Auch für den nazikitschigen Bau des Ballhofes zeichnet Elkart verantwortlich. Danach wird der Stadtbau zum Bunkerbaumeister. 1943 wird Elkart Mitglied in Albert Speers „Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte“.

Nach seiner Wiederwahl ist Stadtbaurat Elkart als Leiter der Bauverwaltung ab 1937 maßgeblich an der Arisierung jüdischen Eigentum und der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen beteiligt. Sein Engagement als rücksichtsloser „Arisierer“ geht so weit, dass er ernsthaft die Einebnung des alten jüdischen Friedhofs an der Oberstraße betreibt und zwar ohne Berücksichtigung etwa bestehender rechtlicher Bedenken. Das geht selbst seinen Nazi-Kollegen in der Stadtverwaltung zu weit.

Versuche, Karl Elkart unter der Mutmaßung des Befehlsnotstandes weiß zu waschen, müssen scheitern, denn die Kommunen und mit ihnen auch die Stadtverwaltung Hannover wirkten an den zentralen Verfolgungsmaßnahmen des NS-Regimes mit, so das Fazit des Historikers Rüdiger Fleiter in seiner Studie über die Hannoversche Stadtverwaltung in der Nazi-Zeit, und er fügt hinzu: Es ist nicht möglich, den kommunalen Verwaltungsapparat vom nationalsozialistischen  Unrechtsregime abzutrennen.

In Bezug auf Karl Elkart schreibt Fleiter in den Hannoverschen Geschichtsblättern: Konnten sich Verwaltungsmitarbeiter der NS-Politik gegenüber verweigern? Die Untersuchung der Stadtverwaltung Hannover hat gezeigt, dass im Alltag immer wieder Handlungsspielräume für die Beamten, Angestellten und Arbeiter vorhanden waren. Auch Elkart dies ist gezeigt worden verfügt über diese Spielräume. Er nutzte sie erkennbar nicht im Sinne der Opfer.

Am 1. Juli 1945 wird Karl Elkart von der Britischen Militärregierung entlassen. Ein Jahr später wird er — formal rehabilitiert — in den Ruhestand versetzt. Karl Elkart stirbt am 12. Juni 1959 in Hannover.


Quellen
Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Stadtlexikon Hannover, 2009
Rüdiger Fleiter, Stadtverwaltung im Dritten Reich, Hannover, 2006
Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge, Bd. 60, Hannover, 2006

Karl Elkart
Foto: Historisches Museum Hannover

 

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