Mendelssohnstraße

Ausgehend von der westlichen Ecke des Stephansplatzes führt die Mendelssohnstraße bis zur Straße „Im Haspelfelde“. Die Mendelssohnstraße kreuzt die Böhmerstraße, die Heinrich-Heine-Straße und den Altenbekener Damm. Benannt wurde sie erstmals 1910 nach dem Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Davor hieß die Straße seit 1845 „Großer Döhrener Mühlenweg“. Von 1935 bis 1945 war die Straße wegen Mendelssohn Bartholdys jüdischer Herkunft nach dem Komponisten Heinrich Schütz benannt. Am Ausgang der Mendelssohnstraße befinden sich jeweils an den Ecken zur Geibelstraße zwei südstädtische Traditionsunternehmen: die Weinhandlung Hildebrandt in den Räumen der ehemaligen Fleischerei Zoch und das Stephanseck.

Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohn Bartholdy 1846, Ölporträt von Eduard Magnus, Quelle: Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Berlin
 

Felix Mendelssohn Bartholdy 1846,
Ölporträt von Eduard Magnus
Quelle: Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Berlin

Dieses Lied konnten selbst die Nazis nicht aus dem braungefärbten deutschen Alltag verbannen, denn es ist einzigartig in der romantisch geprägten deutschen Männergesangskunst; „Wer hat Dich, Du deutscher Wald“. Geschrieben hat den Liedtext Joseph von Eichendorff. Die Melodie stammt von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der wird am 3. Februar 1809 als zweites Kind einer wohlhabenden und traditionsreichen in Hamburg lebenden Familie geboren. Mutter Lea entstammt einer Fabrikantenfamilie, Vater Abraham ist ein Sohn des aufklärerischen Philosophen Moses Mendelssohn. Zwei Jahre nach Felix Geburt flieht die Familie vor den anrückenden Truppen Napoleons nach Berlin. Dort wird Felix, der wie seine mittlerweile drei Geschwister christlich erzogen worden ist, am 21. März 1816 vom Pfarrer der reformierten Gemeinde auf den Namen Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy getauft. Der deutsche, zweite Familienname ist dem angenommenen Nachnamen des Onkels Jakob Salomon entlehnt.

Musik spielt im Hause Mendelssohn eine große Rolle. Schon früh erhalten Felix und seine ältere, ebenfalls hochbegabte Schwester Fanny Musikunterricht von Mutter Lea, die sich der Pflege des Bachschen Erbes verpflichtet fühlt. Beide Kinder erhalten ab 1816 Unterricht in Kompositionslehre , Klavier- und Violinspielen. Während Fanny Mendelssohn ihr Können nur im Familienkreise zu Gehör bringen darf, kann Felix bereits als Neunjähriger öffentlich auftreten. 1819 wird Felix Mendelssohn Bartholdy Mitglied der Sing-Akademie zu Berlin, wo er unter der Leitung seines Kompositionslehrer Carl Friedrich Zelter Kirchenmusik studiert. Ein Jahr später beginnt Mendelssohns außergewöhnliche Karriere als Komponist. Er schreibt Lieder, Klaviersonaten Orgelstücke, kleine Sinfonien und kurze Singspiele.

1821 reist Felix Mendelssohn Bartholdy mit Carl Friedrich Zelter nach Weimar und besucht Goethe. Dem widmet er später das Quartett in h-Moll. Mendelssohn Bartholdy ist ein besessener Arbeiter. So schreibt er zwischen dem 3. und 31. März 1824 seine erste Sinfonie in c-Moll. 1826 komponiert Felix Mendelssohn Bartholdy jenes Musikstück, dessen bekanntester Teil bis heute zu den weltweit meistgespielten Kompositionen zählt: die Sommernachtstraum-Ouvertüre mit dem Hochzeitsmarsch. Die Uraufführung findet im elterlichen Speisezimmer statt, das mit den dort abgehaltenen Sonntagsmusiken zu einem Zentrum des Berliner Musiklebens wird.

1827 gründet Felix Mendelssohn Bartholdy einen Chor, der sich der Erarbeitung der Bachschen Chorwerke widmet. Der junge Mann hatte bereits 1823 von seiner Großmutter Babette Salomon eine Abschrift der Matthäus-Passion geschenkt bekommen und es drängte ihn, dieses fast vergessene Werk in Gänze aufzuführen, was seinem Lehrer Carl Friedrich Zelter missfiel. Mendelssohn Bartholdy setzt sich schließlich durch und bringt gemeinsam mit dem Eduard Devrient, dem Bruder des Hannoverschen Hofschauspielers Carl Devrient, die Matthäus-Passion in der Singakademie am 11. März 1829 zur Aufführung. 158 Sängerinnen und Sänger präsentieren das von Mendelssohn Bartholdy kongenial bearbeitete Mammutwerk. Damit beginnt in deutschen Landen die Wiederentdeckung Johann Sebastian Bachs und später auch Georg Friedrich Händels.

Am 10. April 1829 bricht Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer achtmonatigen Konzert- und Bildungsreise nach England auf, wo er passenderweise die Sommernachtstraum-Ouvertüre zum ersten Mal öffentlich aufführt. Der Überlieferung nach vergisst Mendelssohn Bartholdy die Partitur zu diesem Opus in einer Droschke, sodass er die Ouvertüre noch einmal aus dem Kopf zu Papier bringen muss. Nach Abschluss seiner Konzerte reist er nach Schottland, wo er sich zur Hebriden-Ouvertüre und zur Schottischen Sinfonie inspirieren lässt. 1830 folgt Mendelssohn Bartholdys große Reise nach Italien, von der er ebenfalls mannigfaltige Eindrücke für große Kompositionen mitbringt. Ganz nebenbei malt und zeichnet der Vielbegabte, was ihm auf seinen Reisen vomn Bedeutung scheint.

1832 bewirbt sich Felix Mendelssohn Bartholdy auf Drängen des Vaters auf die nach Carl Friedrich Zelters Tod frei gewordene Stelle als Direktor der Sing-Akademie, wird aber abgelehnt. Eduard Devrient berichtet, dass die Nichtberücksichtigung seines Freundes antisemitische Gründe hatte. Enttäuscht verlässt Mendelssohn Bartholdy Berlin und reist zum dritten Mal nach London, woe er seine Italienische Sinfonie zur Aufführung bringt. Im September 1833 tritt er in Düsseldorf die Stelle als Generalmusikdirektor an. Zwei Jahre später verlässt er die Rheinmetropole, um in Leipzig die Leitung der Gewandhauskonzerte zu übernehmen. Damit hat er die bedeutendste Stellung erreicht, die im damaligen Musikleben zu bekleiden ist.

1837 heiratet der umtriebige Felix Mendelssohn Bartholdy in Frankfurt Cécile Jeanrenaud, die Tochter eine hugenottischen Geistlichen, aber schon kurz nach den Flitterwochen zieht es den Meister wieder auf Tour. Noch im selben Jahr leitet er Konzerte beim Musikfest in Birmingham. In den folgenden Jahren reist und komponiert Felix Mendelssohn Bartholdy wie ein Besessener und reist als Dirigent in eigener und befreundeter Sache durch Europa. Sein Renommee ist mittlerweile so groß, dass er 1842 in London von der jungen Queen Victoria empfangen wird.

 
Das alte Gewandhaus in Leipzig, Aquarell von Felix Mendelssohn Bartholdy, 1836. Die Noten stammen aus Luigi Cherubinis Komposition „Ali Baba“. Gewidmet ist das Blatt der Sängerin und Lehrerin am Konservatorium, Henriette Grabau. Quelle: Library of Congress, Washington D.C.
 

Das alte Gewandhaus in Leipzig, Aquarell von Felix Mendelssohn Bartholdy, 1836. Die Noten stammen aus Luigi Cherubinis Komposition „Ali Baba“. Gewidmet ist das Blatt der Sängerin und Lehrerin am Konservatorium, Henriette Grabau
Quelle: Library of Congress, Washington D.C.

1841 wird Felix Mendelssohn Bartholdy zum Königlich Preußischen Kapellmeister in Berlin ernannt, bleibt im Herzen jedoch mit Leipzig verbunden. Dort gründet er 1843 das erste deutsche Konservatorium und wird erster Direktor Im selben Jahr ernennt  ihn die Stadt Leipzig zum Ehrenbürger. Ebenfalls 1843 stiftet Mendelssohn Bartholdy nach mehreren Benefizkonzerten für Leipzig ein Denkmal für den großen Thomaskantor Johann Sebastian Bach. 1844 tritt er von seinen Berliner Ämtern zurück und übernimmt wieder die Leitung der Gewandhauskonzerte. 1846 vollendet Mendelssohn Bartholdy sein Elias-Oratorium, das am 26. August des Jahres unter seiner Leitung uraufgeführt wird.

Sein letztes Konzert als Chef des Gewandhausorchesters leitet Felix Mendelssohn Bartholdy am 18. März 1847. Einen Tag später tritt er, 38 Jahre alt, vom Posten des Gewandhauskapellmeisters zurück. Felix Mendelssohn Bartholdy stirbt am 4. November 1847 in Leipzig und wird am 8. November auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin zu Grabe getragen. Danach ergeht es ihm wie Johann Sebastian Bach: in deutschen Landen wird er vergessen. Dazu trägt nicht ganz unerheblich ein Schmierenpamphlet seines ehemaligen Bewunderers Richard Wagner bei, der sich drei Jahre nach Mendelssohn Bartholdys Tod unter Pseudonym über „Das Judentum in der Musik“ zu Wort meldet. In den Jahren der Nazi-Diktatur wird der schon fast vergessene Felix Mendelssohn Bartholdy kaum noch gespielt: Ausnahmen allerdings bilden das Lied über den deutschen Wald und der Hochzeitsmarsch aus der Sommernachtstraum-Ouvertüre.

Erst nach der Zerschlagung Nazi-Deutschlands wird Felix Mendelssohn Bartholdy wiederentdeckt und erhält den ihm gebührenden Platz in der deutschen Musikgeschichte: direkt neben Bach, Händel, Mozart und Beethoven. Robert Schumann, ein weiterer großer, musikalischer Romantiker beschrieb Mendelssohn Bartholdy in seinen Erinnerungen als „Mozart des 19. Jahrhunderts“. Für Schumann war er „der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt“. Felix Mendelssohn Bartholdy sah sich selbst in einer etwas älteren musikalischen Tradition: „Hat es Ähnlichkeit mit Sebastian Bach, so kann ich wieder nichts dafür, denn ich habe es geschrieben, wie es mir zu Muthe war und wenn mir einmal bei den Worten so zu Muthe geworden ist, wie dem alten Herrn, so soll es mir um so lieber sein.“

Felix Mendelssohn Bartholdy 1846, Ölporträt von Eduard Magnus
Quelle: Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Berlin

Das alte Gewandhaus in Leipzig, Aquarell von Felix Mendelssohn Bartholdy, 1836. Die Noten stammen aus Luigi Cherubinis Komposition „Ali Baba“. Gewidmet ist das Blatt der Sängerin und Lehrerin am Konservatorium, Henriette Grabau.
Quelle: Library of Congress, Washington D.C.

 

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