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Seit September 2019 führt der Agnes-Hundoegger-Weg als Stichstraße von der „Alten- Döhrener-Straße“ in Höhe der Gilde-Brauerei auf ein ehemaliges Gärtnerei-Gelände. Benannt ist er nach der Musikpädagogin Agnes Hundoegger.

Agnes Hundoegger Foto: Universität der Künste, Berlin

Agnes Hundoegger

Anges Hundoegger wird am 26. Februar 1858 in Hannover geboren und wächst in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater, ein kunstsinniger Mann, ist Chefarzt des Städtischen Krankenhauses. Schon früh bemerken die Eltern das große musikalische Talent ihrer Tochter Agnes. Im frühen Alter von 16 Jahren wird sie zum Musikstudium nach Berlin geschickt, wo sie die Fächer Gesang und Klavier belegt. Sie absolviert beide Fächer mit Auszeichnung und setzt ihre Ausbildung nach dem Examen 1881 in Frankfurt fort, wo sie Clara Schumann kennen lernt.

Zurück in Hannover, das bis zu ihrem Tod ihren Lebensmittelpunkt bildet, macht sich Agnes Hundoegger einen Namen als Oratoriensängerin und Pianistin. In Hannover lernt sie Johannes Brahms kennen, indem sie einfach das Klavierhaus besucht, in dem der Meister ein neues Instrument ausprobiert. Agnes Hundoegger ist danach dauerhaft „Brahms-besessen“ und schreibt: „Ich schäme mich oft meiner Einseitigkeit, aber wenn ich ganz durch und durch gerüttelt sein will, ganz beseligt und gehoben, muss ich Brahms hören.“ Neben ihrer Konzerttätigkeit widmet sich Agnes Hundoegger der Lehre. Dabei fällt ihr auf, dass ihre Schülerinnen, so musikalisch sie auch sein mochten, Schwierigkeiten hatten, Melodien nach Gehör aufzuschreiben.

Im Frühjahr 1896 macht Agnes Hundoegger die Entdeckung ihres Leben, als ihr Freunde Lehrbücher der „Tonic-Sol-Fa-Methode“ aus England mitbringen. Im selben Jahr nutzt sie einen Ferienaufenthalt in England, um einen Ferienkurs der neuen Lehr- und Lernmethode zu belegen. „Die Eindrücke und Erfahrungen des einen Monats, in dem ich mich dort dieser großen Gemeinschaft zugehörig fühlte, haben in meinem Leben und meiner beruflichen Tätigkeit einen Wendepunkt bedeutet“, erinnert sich Agnes Hundoegger.

Hatten Kinder bis dato Musik nur durch das Nachsingen von Melodien erlernt, so setzte Agnes Hundoegger auf die Vermittlung von Tönen mittels Silben und dazu gehörigen Handzeichen. Wer in der 1950er Jahren die Schule besucht hat, mag sich noch an das „Do-Re-Mi-Fa-So-La-Ti-Do“ erinnern, mit dem Musikstunden den Anfang nahmen.

Bereits ein Jahr nach ihrer Rückkehr aus England gibt Agnes Hundoegger auf eigene Kosten ihren „Leitfaden der Tonika Do-Lehre“ heraus, in der mutigen Hoffnung, damit den schulischen Musikunterricht erneuern zu können. Sie scheitert am Konservatismus der überwiegend männlichen Musikpädagogen und daran, dass sie es als Frau wagt, neue musikpädagogische Wege zu beschreiten. Dennoch bleibt sie unbeirrt und opfert ihr Erbe für die Verbreitung ihrer Idee. 1909 gründet Agnes Hundoegger den „Tonika-Do-Bund“ und den dazu gehörenden „Tonika-Do-Verlag“, aber es bleibt bei bescheidenen Anerkennung, wie 1921 auf der „Schulmusikwoche“ in Berlin.

Agnes Hundoegger stirbt am 23. Februar 1927 in Hannover und wird auf dem Engesohder Stadtfriedhof unweit ihres Wohnhauses an der Alten-Döhrener-Straße begraben. Die Trauerrede hält ihr junger Kollege Georg Ismer, der emphatisch erklärt: „Doch hat sie auch die Bitternis des Wortes erfahren müssen, dass ein Prophet in seinem Vaterlande nichts gilt. Ihre Heimatstadt verschloss sich ihren Ideen. Und die höchste preußische Schulbehörde verbot die „Tonika-Do-Lehre“ in den Schulen. Sie war zuerst ganz allein auf sich angewiesen. Sie ging ihren Weg unter Aufopferung ihrer selbst und — ihres Vermögens.“

Agnes Hundoeggers Grab auf dem Engesohder Stadtfriedhof ist nicht erhalten. In der Abteilung 30 ist mit der Nummer 1023 - 1024 eine Gedenkplatte eingelassen.

Foto: Universität der Künste, Berlin


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