Gelegen zwischen der Roseggerstraße und der Straße „An der Tiefenriede“ führt die Lola-Fischel-Straße vom Bertha-von-Suttner-Platz südwärts zur Heinrich-Heine-Straße. Benannt ist sie seit dem 26. September 2016 nach der hannoverschen Zahnärztin Lola Fischel. Seit 1928 war die Straße nach dem völkisch-rassistischen Schriftsteller und Hitler-Bewunderer Heinrich Sohnrey benannt. In einem ehemaligen Ladengeschäft in der Lola-Fischel-Straße 20 befinden sich die Ausstellungsräume der GEDOK NiedersachsenHannover, der „Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“.

Lola Fischel

Lola Fischel | Foto: Privatbesitz

Lola Fischel wird am 7. März 1914 als älteste von drei Geschwistern in der polnischen Großstadt Sosnowitz als Lola Potok geboren. Sie studiert Zahnmedizin und arbeitet in Polen als Zahnärztin. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wird Lola Potok zunächst in das Warschauer Ghetto verschleppt und von dort aus in das Konzentrationslager Auschwitz, wo ihre Eltern und die jüngere Schwester ermordet werden. Lediglich ihr Bruder überlebt den Nazi-Terror und wandert nach seiner Befreiung nach Israel aus.

Von Auschwitz aus wird Lola Potok in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verfrachtet. Am 15. April 1945 wird sie von den britischen Truppen befreit. Die Briten setzen Lola Potok als Leiterin des englischen Krankenhauses auf dem Gelände des Lagers ein. Dort lernt sie ihren späteren Ehemann Siegmund Fischel kennen, einen aus Hannover stammenden Zahnarzt. Beide beschließen, in Deutschland zu bleiben und gründen 1947 in Hannover eine Zahnarztpraxis.

Lola und Siegmund Fischel sind aktiv an der Wiedererweckung jüdischen Lebens in Hannover beteiligt. Als Anfang der 1950er Jahre auf Initiative von Norbert Prager und Theodor Hohenstein hin der Bau eines jüdischen Seniorenheimes geplant wird, sind Lola und Siegmund Fischel begeistert und beteiligen sich mit Rat und Tat. Bereits 1952 wird der erste Bauabschnitt des jüdische Seniorenheim in der Haeckelstraße 6 seiner Bestimmung übergeben. Im Gegensatz zu ihrem Mann, der lange Jahre im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hannover tätig ist und 1962 Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden wird, übernimmt Lola Fischel auf eigenen Wunsch hin keine offiziellen Positionen. Ihr besonderes Engagement gilt neben dem Jüdischen Seniorenheim der Hannoverschen Gruppe „Helen Hannover“ der Jüdischen Frauenorganisation WIZO (Women’s International Zionist Organization), die sie jahrelang leitet. Über 25 Jahre arbeitet Lola Fischel ab 1980 als Vorsitzende des Trägervereins des Jüdischen Seniorenheims.

Gemeinsam mit ihrem Mann bemüht sich Lola Fischel, Kontakte zwischen ehemaligen jüdischen Hannoveranerinnen und Hannoveranern in Israel und deren früherer Heimatstadt herzustellen. In Tel Aviv gründet sie mit Siegmund Fischel und anderen den „Verband der ehemaligen Hannoveraner“. Mit ihrer Arbeit in der „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ und der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ trägt Lola Fischel maßgeblich dazu bei, dass der Dialog zwischen Juden und Nichtjuden in Hannover und zwischen Deutschen und Israelis in Gang kommt und bis heute gepflegt wird.

Für Ihre Verdienste um den jüdisch-christlichen Dialog und ihre Aufklärungsarbeit in Schulen und Jugendgruppen ist Lola Fischel 1989 mit der Stadtplakette der Landeshauptstadt Hannover und 1997 mit der Niedersächsischen Landesmedaille ausgezeichnet worden. Als 1984 der Neubau des Jüdischen Seniorenheims errichtet wurde, erhielt er als besondere Ehrung den Zusatz „Lola Fischel Haus“. Lola Fischel ist am 18, März 2009 in Hannover gestorben.

Lola Fischel Foto: Privatbesitz


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