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Lothar Pollähne

10. Dezember 2011: Räume zwischen Schwarz und Weiß

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Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne gratulierte am 10. Dezember 2011 im SofaLoft der Künstlerinnengemeinschaft GEDOK zum 85 Geburtstag und wünschte gutes Gelingen beim Zusammenschluss mit der GEDOK Niedersachsen

Meine Herren, meine Damen,

Einladungen zu Geburtstagsfeiern werden gelegentlich gerne, gelegentlich aber auch pflichtschuldig entgegengenommen. Die Einladung zum heutigen 85. Geburtstag der GEDOK ist für mich eine Pflicht, der ich sehr gerne nachkomme. „Aufbruch in die Zukunft“ gefällt mir als Motto für die kommenden Dekaden ausnehmend gut, und Ruth Bubel-Bickhardts anarchisch verschmitzt tanzende Krähe trifft gelegentlich meinen Gemütszustand. Etwas Schwarzes braucht jeder und jede; bei mir sind das schwarze Socken, schwarzer Kaffee und eine schwarze Seele, ohne die die allgefällige Neonbuntheit schwer zu ertragen wäre.

Mit Schwarzseherei hat das nichts zu tun, Wer den Aufbruch in die Zukunft wagt, braucht keine rosaroten Brillen, sondern ist realistisch genug, die Räume zwischen Schwarz und Weiß farbig auszufüllen. Da Sie dies seit 85 Jahren tun, habe ich keinen Zweifel, dass Sie auch in Zukunft das richtige Gemisch der vier Grundfarben finden werden. Als Vater einer Künstlerin weiß ich, daß solches nur mit Arbeit, Schweiß und Liebe gelingen kann, denn Sie streben nicht nach dem Studium der nüchternen Wirklichkeit, wie es George Sand gesagt hat; Sie sind auf der Suche nach der vollkommenen Wahrheit.

Das ist nun wahrlich kein einfaches Unterfangen, denn Kunst braucht Zeit, Kunst geben braucht Zeit, und Kunst nehmen braucht Zeit, Zeit und einen freien Kopf. So hat es Lion Feuchtwanger beschrieben, der vor den Nazis fliehen mußte, um sein Leben zu retten und seinen freien Kopf weiterhin entfalten zu können. Das ist der Gründerin der GEDOK, Ida Dehmel, nicht vergönnt gewesen. Nachdem sie 1933 als Jüdin aus „ihrem“ Verein ausgeschlossen und zur Unperson wurde, nahm sie sich 1942 das Leben. Daran zu erinnern halte ich am Vorabend des 70. Jahrestages der Deportation Hannoverscher Jüdinnen und Juden nach Riga für geboten. Es gehört zu Ihrer Geschichte der vergangenen 85 Jahren und es wird auch in den kommenden Jahren dazu gehören.

„Wer nichts will, nichts erhofft und nichts fürchtet, der kann kein Künstler sein“, hat der hochsensible Anton Tschechow einmal gesagt. Zu seiner Zeit war es noch nicht üblich, auch die weibliche Form eines Substantivs zu gebrauchen. Ich wünsche Ihnen im Namen des Stadtbezirksrates Südstadt-Bult, daß sie auch in Zukunft furchtlos voranschreiten, daß auch in Zukunft die Künste „Spiegel ihrer Seele“ sein mögen, wie es der gelegentlich seelenwunde Heinrich Heine annotiert hat. Lassen sie sich auch bei ihrem „relaunch“, wie das neudeutsch heißt, nicht zu Närrinnen machen. Haben Sie weiterhin den Mut, sich zu widersetzen und erfreuen Sie die Menschen mit ihrer Kunst.

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