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Im Stadtteil „Bult“ führt die Menschingstraße ausgehend vom „Robert-Koch-Platz“ in südlicher Richtung vorbei an der Melanchtonkirche bis zur Lindemannallee. Die Menschingstraße ist 1924 angelegt worden. Der Namensgeber ist nicht eindeutig zu identifizieren, denn in der Geschichte Hannovers sind drei bedeutende Menschings nachweisbar.

Mensching

Der Chronist der „Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover“, Helmut Zimmermann, beschreibt 1992 vieldeutig mit den Worten: „nach einer alten hannoverschen Familie“. Das ist reichlich unpräzise, denn der älteste bekannte Mensching, der königlich großbritannische und kurfürstlich braunschweig-lüneburgische Hofmedikus August Ludwig Mensching wird am 15. Januar 1751 in Boizenburg an der Elbe geboren. Mensching gilt als Vater der „Naturhistorischen Gesellschaft“ in Hannover, der zweitältesten in Deutschland. Sie wird 1797 als Leseverein gegründet. August Ludwig Mensching stirbt am 23. August 1804 in Nienburg an der Weser.

Auch der zweite mögliche Namensgeber, Ernst Georg Moritz Hermann Mensching ist Arzt. Er wird am 27. September 1812 oder 1813 in Langenforth bei Hannover geboren, das heute als Teil der ehemals selbständigen Gemeinde Brink zur Stadt Langenhagen gehört. Ernst Georg Moritz Hermann Mensching ist der erste medizinische Leiter des Friederikenstiftes. Er stirbt am 26. August 1887 in Hannover.

Der dritte, theoretisch mögliche Namensgeber ist ebenfalls kein gebürtiger Hannoveraner. Adolf Mensching, geboren am 20. Mai 1815 in Wernigerode, ist Jurist und Publizist. Er gilt als einer der Wortführer der bürgerlich-demokratischen Revolution des Jahres 1848 in Hannover. Am 21. Januar 1849 leitet Adolf Mensching im hannoverschen Ballhof eine Versammlung zur Unterstützung und Anerkennung der vom Frankfurter Parlament Ende 1848 verkündeten „Grundrechte des deutschen Volkes“, an der 2900 Menschen teilnehmen. Kurz darauf gerät Mensching in die Fänge des stockkonservativen Polizeidirektors Karl Georg Wermuth und wird unter dem Vorwand, er habe zu einem gewalttätigen Angriff auf eine konservative Demonstration aufgerufen, drei Wochen lang inhaftiert. Mensching hat seine Zeit hinter Gittern mit der Schrift „Meine drei Wochen im Gefängnis. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Polizei“ dokumentiert. Zeitweise ist Adolf Mensching Vorsitzender des hannoverschen „Volksvereins“ und Herausgeber der Vereinszeitung „Volkszeitung“, die 1854 ebenso aufgelöst wird wie der Volksverein. Rückblickend resümiert Mensching die hannoversche Revolutionszeit mit den Worten: „ Es ist für die hannoversche Revolution charakteristisch, dass sie nicht vom Volk sondern der Bourgeoisie gemacht worden ist“. Adolf Mensching stirbt am 20. Juli 1881 in Hannover. Nach wem die Menschingstraße letztlich 1924 benannt worden ist, wird wohl rätselhaft bleiben. Würdige Namensgeber, die in Hannover ihre Spuren hinterlassen haben, hat sie auf jeden Fall gehabt.