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Ausgehend vom Geibelplatz führt über nur 70 Meter die Pilotystraße als Sackgasse bis zur Straße „An der Weide“. Benannt ist sie seit 1919 nach dem Maler Carl von Piloty.

Carl von Piloty

Franz Seraph Hanfstaengl: Carl von Piloty, 1856 Foto: Franz Seraph Hanfstaengl: Carl von Piloty, 1856
Carl von Piloty: Die Ermordung Cäsars, 1865, Landesmuseum Hannover Foto: Carl von Piloty: Die Ermordung Cäsars, 1865, Landesmuseum Hannover

Carl Theodor Piloty wird am 1. Oktober 1826 in München als Sohn des Malers und Lithographen Ferdinand Piloty geboren der sich mit der Anfertigung von Reproduktionen nach alten Meistern wie Rubens und van Dyck einen Namen gemacht hat. Unter Anleitung seines Vaters lernt Carl Piloty die besondere Sorgfalt bei der Farbgebung seiner Arbeiten.

1840 beginnt er sein Studium an der Münchener Akademie bei Julius Schnorr von Carolsfeld, einem bedeutenden Vertreter der so genannten „Nazarener“. Diese Stilrichtung interessiert den jungen Studenten nur marginal. Großen Eindruck dagegen hinterlässt 1842 eine große Ausstellung belgischer Historienmalerei in München mit ihrer farblichen Opulenz. Nach dem Tode des Vaters übernimmt Carl Piloty 1844 für drei Jahre die Leitung des väterlichen Lithographenbetriebs „Piloty & Löhle“.

Danach reist Piloty — wie viele seiner Kollegen — nach Italien, Belgien und Paris, um sich an den Techniken von Malern wie Gallait und Delaroche zu schulen. In dieser Zeit entstehen erste Kopien von Gemälden seiner Vorbilder. Nachdem er sich zunächst auf Genrebilder spezialisiert hatte, macht ihn 1855 das Gemälde „Seni vor der Leiche Wallensteins“ schlagartig bekannt. Piloty hat sein Metier gefunden und konzentriert sich fortan auf Historiengemälde. Bereits ein Jahr später wird er zum Professor an der Münchener Akademie ernannt.

1860 erfolgt die Erhebung in den Adelsstand. Die damit verbundene Dankbarkeit dem Bayerischen König Ludwig II. gegenüber könnte Piloty bewogen haben, die ihm angetragene Leitung der Berliner Akademie abzulehnen, deren Mitglied er seit 1863 ist. Hinzu kommt ein gut dotierter Auftrag des kunstverrückten Königs für ein Monumentalgemälde, das er 1873 mit dem Titel „Thusnelda im Triumphzug des Germanicus“ fertigstellt. 1874 wird Carl von Piloty Direktor der Münchener Akademie. Er gilt in seiner Zeit als guter Lehrer. Aus seiner Schule gehen so prominente Maler wie Franz von Lenbach und Franz von Defregger hervor.

1879 stellt Carl von Piloty sein „magnum opus“ fertig, das Monumentalgemälde „Allegorie Monachia“. Mit einer Größe von 15,30 mal 4,60 Metern gilt es als Bayern größtes Gemälde. Ausgestellt wird es im Rathaus zu München. Mit 128 Personen soll es historisierend es einen Überblick über die Bayerische Geschichte geben. Die Wittelsbacher allerdings, denen Piloty Einiges zu verdanken hat, sind auf der „Allegorie Monachia“ Mangelware.

Pilotys Bilder gelten als „gefühlsbetonte Geschichtsbilder“, denen es weniger um historische Korrektheit geht als um die Inszenierung von Szenen aus großen geschichtlichen Zusammenhängen. Piloty betont dabei häufig einzelne menschliche Schicksale. Eines dieser historischen Dramenbilder gehört zum Bestand des Landesmuseums in Hannover: Die „Ermordung Cäsars“ (1867). Vielleicht ist diese Gabe der Grund dafür, dass die kleine Straße in der Südstadt nach Carl von Piloty benannt worden ist. Piloty stirbt am 21 Juli 1886 in Ambach am Starnberger See.



Abbildungen
Franz Seraph Hanfstaengl: Carl von Piloty, 1856
Carl von Piloty: Die Ermordung Cäsars, 1865, Landesmuseum Hannover