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Im Stadtteil Bult liegt der Robert-Koch-Platz am südlichen Ende der Brehmstraße. Benannt ist er seit 1932 nach dem Mediziner Robert Koch. Von 1924 bis 1932 war der Platz nach dem Zoologen Alfred Brehm benannt. An der Südseite des Platzes liegt das im Bauhaus-Stil errichtete, denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen Mensa der Tierärztlichen Hochschule.

Robert Koch Foto: Robert Koch Wilhelm Fechner um 1900

Robert Koch

Der Namensgeber der Bundeshörde für Infektionskrankheiten wird am 11. Dezember 1843 in Clausthal-Zellerfeld als Heinrich Hermann Robert Koch geboren. Er ist das dritte von insgesamt 13 Kindern des späteren Bergrates Hermann Koch, dem ab 1853 die Aufsicht über den gesamten Bergbau des Oberharzes obliegt. Der Hochbegabte bringt sich der Legende nach bereits mit vier Jahren das Lesen und Schreiben bei. Im Alter von sieben Jahren wird der junge Robert Schüler des Gymnasiums in Clausthal, das er 1862 mit dem Abitur verlässt, um anschließend in Göttingen zunächst Philologie zu studieren. Schon während des ersten Semesters wechselt Koch zur Medizin. Dieses Studium schließt er 1866 mit der Promotion ab.

Seine erste Stelle als Arzt findet Robert Koch am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg, aber bald wechselt er an die „Erziehungs- und Pflegeanstalt für geistesschwache Kinder“ in Langenhagen. Es folgen eine Anstellungen als Landarzt in der Nähe von Potsdam und Posen. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 meldet sich Koch freiwillig zum Sanitätsdienst. Nach seiner Rückkehr und der Ablegung des Physikatsexamens arbeitet Koch als „Kreisphysikus“ in der Provinz Posen, betreibt nebenbei eine Privatpraxis und beschäftigt sich mit bakteriologischen Experimenten. Als Versuchstiere verwendet er neben Kaninchen und Meerschweinchen auch zwei Affen. Während dieser Zeit beschreibt Robert Koch den Milzbranderreger.

Diese Entdeckung ist 1880 ausschlaggebend für seine Berufung an das Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin. Ab 1881 unternimmt Robert Koch erste Experimente an Meerschweinchen, um den Erreger der Tuberkulose zu finden. Nach 271 Versuchen ist er am Ziel. In seinem Vortrag über die „Aetiologie der Tuberkulose“ beschreibt Koch seine Entdeckung am 24. März 1882 vor der Berliner Physiologischen Gesellschaft. Als 1883 in Ägypten und Indien die Cholera ausbricht, reist Robert Koch an der Spitze einer Delegation in die betroffenen Länder, um bei der Bewältigung der Seuche zu helfen. Zwar entdeckt Koch den Cholera-Erreger nicht, aber er weist auf die Verbreitungswege der Krankheit hin. Damit erwirbt er sich auch international den Ruf eines bedeutenden Infektiologen.

1885 wird Robert Koch zum ordentlichen Professor für Hygiene am neu geschaffenen Hygienischen Institut der Universität Berlin ernannt. Damit scheint er einen weiteren Schritt auf der Ruhmesleiter getan zu haben. Aber Koch ist Berichten zu Folge ein unwilliger, schlechter Lehrer. Als Forscher gerät Robert Koch in diesen Jahren ins Hintertreffen, vor allem Louis Pasteur gegenüber, der in Paris bahnbrechende Forschungen für die Entwicklung aktiver Impfungen leistet.

Erst 1890 macht Robert Koch wieder von sich reden. Auf dem „Zehnten Internationalen Medizinischen Kongress“ in Berlin stellt er vor großem internationalem Publikum im eigens zu diesem Zweck umgebauten Circus Renz ein Heilmittel vor, das er Tuberkulin nennt. Diese Show wird ihm fast zum Verhängnis, denn Koch versucht sein „Entdeckung“ — obwohl mit staatlichen Mitteln finanziert — privat zu vermarkten. Überdies muss er öffentlich eingestehen, dass er die Tuberkulin-Versuche an sich und seiner jungen Geliebten vorgenommen hat. Damit hat er gegen jegliche wissenschaftliche Ethik verstoßen und wird beinahe selbst aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft verstoßen. Als sich schließlich herausstellt, dass die Verabreichung von Tuberkulin tödliche Folgen haben kann und Robert Koch zugeben muss, die Zusammensetzung seines Stoffes nicht genau zu kennen, ist der Skandal perfekt. Robert Koch lässt sich beurlauben und „flieht“ nach Ägypten. Immerhin lässt er sich nicht ganz entmutigen, sondern forscht weiter an Tuberkulin, womit er zumindest erreicht, dass er nicht gänzlich als Schwindler angesehen wird.

Fortan forscht Robert Koch vor allem in afrikanischen Kolonien und beschreibt Malaria und die Schlafkrankheit. Aber auch in Afrika unternimmt er Menschenversuche mit Arsenpräparaten. Das jedoch regt Niemanden auf, denn andere Forscher in den Kolonien verhalten sich ähnlich. 1891, als der „Tuberkulin-Schwindel“ nahezu vergessen ist, erhält Robert Koch das von ihm seit längerem gewünschte „Spezialinstitut für Infektionskrankheiten“, das als Vorläufer des heutigen „Robert-Koch-Instituts“ anzusehen ist.

Als 1892 in Hamburg eine Cholera-Epidemie ausbricht, wird Robert Koch zu Rate gezogen und setzt Seuchenbekämpfungsmaßnahmen durch. Der Hafen wird abgeriegelt, Schulen geschlossen, der Verkehr teilweise eingestellt und die Wohnungen Infizierter von Desinfektionskolonnen gereinigt. Mit Hilfe der SPD und ihrer Massenorganisationen, die fleißig Flugblätter verteilen, gelingt es Robert Koch, die Menschen vom Abkochen des Trinkwassers zu überzeugen.

Vor allem im Ausland erwirbt sich Robert Koch den Ruf eines ausgezeichneten Epidemiologen. Seine Expeditionen führen ihn nach Südafrika, Indien, Ostafrika, Java und Neuguinea. Im Deutschen Reich dagegen hält er sich nur noch selten auf, denn „bei uns zu Haus ist nun schon so gründlich aufgearbeitet und die Concurrenz eine so gewaltige, daß es sich wirklich nicht mehr lohnt, dort zu forschen“, schreibt der narzistisch veranlagte Robert Koch 1903. Dass er 1905 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers erhält, befriedigt Robert Koch nur halbwegs, hatte doch sein Assistent Emil von Behring diesen Preis bereits 1901 als erster überhaupt verliehen bekommen. Robert Koch, der ebenso viel Geehrte wir Geschmähte, stirbt am 27. Mai 1910 in einer Klinik in Baden-Baden. Die Urne mit seiner Asche befindet sich als Ehrengrab der Stadt Berlin in den Räumen des heute nach ihm benannten Robert-Koch-Instituts,

Robert Koch Foto: Wilhelm Fechner um 1900