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Eine der längsten Straßen der Südstadt führt — ausgehend vom Kurt-Schwitters-Platz — als Rudolf-von-Bennigsen-Ufer in südlicher Richtung an der Ostseite des Maschsees entlang bis zur Bahnüberführung am Maschsee-Strandbad. Sie ist seit 1952 nach dem nationalliberalen Politiker Rudolf von Bennigsen benannt. Von 1942 bis 1945 hieß die Straße unter den Nazis „Todtufer“. Am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer liegen das Sprengel-Museum, das NDR-Landesfunkhaus, das Landesstudio des ZDF, die Tellkampf-Schule und die Freie Waldorfschule. Auch der Stadtfriedhof Engesohde grenzt an das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer.

Rudolf von Bennigsen Foto: um 1895, Fotograf nicht bekannt

Rudolf von Bennigsen

Am 10. Juli 1824 wird dem Generalmajor Karl Ernst Gebhard von Bennigsen und seiner Frau Elise de Dompierre von Jonquière in Lüneburg ein Sohn geboren, den sie Karl Wilhelm Rudolf nennen. Von 1842 bis 1845 studiert der junge Bennigsen Rechtswissenschaft an den Universitäten Göttingen und Heidelberg. Im Jahr darauf tritt er in den königlich hannoverschen Staatsdienst ein und arbeitet bis 1856 als stellvertretender Staatsanwalt in Hannover und als Richter am Obergericht in Göttingen. 1854 heiratet Rudolf von Bennigsen Anna von Reden, mit der er neun Kinder hat.

1855 wird Bennigsen im Wahlkreis Aurich in die zweite Kammer der hannoverschen Landstände gewählt. Das bringt Schwierigkeiten mit sich, da er keinen Sonderurlaub für die Ausübung seines Mandats erhält. Verärgert zieht er sich aus dem Staatsdienst zurück und bewirtschaftet das Familiengut in Bennigsen am Deister. Lange hält er das begüterte Landleben nicht aus. 1856 wird er in Göttingen wieder in die zweite Kammer gewählt und etabliert sich als nationalliberale Führungspersönlichkeit.

Mit Johannes Miquel gründet Rudolf von Bennigsen 1859 den Deutschen Nationalverein, dessen Vorsitz er übernimmt. Der Verein strebt eine kleinstaatlich deutsche Nation unter der Führung Preußens an. Bennigsens Versuch, das Königreich Hannover 1866 vor dem Beginn des Deutschen Krieges vom Bündnis mit Österreich abzuhalten, scheitert trotz einer Kammermehrheit. In der Folge endet das Königreich Hannover und wird preußische Provinz. 1867 wird Rudolf von Bennigsen in das Preußische Abgeordnetenhaus und den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt. In beiden Parlamenten übernimmt Bennigsen den Vorsitz der nationalliberalen Fraktionen. 1868 tritt der Vielfach-Funktionär Rudolf von Bennigsen das Amt des Landesdirektors der Provinz Hannover an, das er bis 1888 inne hat.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches führt er als Mitglied des Reichstages die nationalliberale Fraktion an und wird — vor allem in außenpolitischen Fragen — zur wichtigen Stütze Bismarcks. Als ihm der Reichskanzler 1877 ein Ministeramt mit der Absicht anbietet, die Nationalliberalen stärker einzubinden, überschätzt Rudolf von Bennigsen seine Macht als Fraktionsvorsitzender. Er wünscht zwei weitere Ministerposten für die Nationalliberalen, was Bismarck mit der Behauptung zurückweist, Kaiser Wilhelm I. habe alle drei Nationalliberalen abgelehnt. Das schwächt die nationalliberale Partei, die sich 1880 spaltet. Die Gründung der „Liberalen Vereinigung“ kann Bennigsen nicht verhindern.

Verärgert zieht er sich ab 1883 aus allen politischen Ämtern zurück, aber er braucht die parlamentarische Bühne und so zieht Benniggsen ab 1887 für drei weitere Perioden in den Reichstag ein, ohne jedoch ansatzweise wieder die Bedeutung zu erlangen, die er zu Zeiten der Reichsgründung inne hatte. 1888 ernennt Kaiser Wilhelm II. Rudolf von Bennigsen zum Oberpräsidenten der Provinz Hannover. Bis 1893 wirkt er gleichzeitig als Landrat im Landkreis Peine. Am 7. August 1902 stirbt der liberale Pragmatiker Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen, der seit 1894 Ehrenbürger der Stadt Hannover ist, auf seinem Gut in Bennigsen am Deister.

Gelegentlich wird Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen mit seinem Sohn Rudolf verwechselt, der 1902 zum Gouverneur von Deutsch-Neuguinea ernannt wurde und heute als fragwürdiger Kolonialist angesehen wird.



Rudolf von Bennigsen Foto: um 1895, Fotograf nicht bekannt

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