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Zwischen der Raimundstraße und dem Altenbekener Damm gelegen führt die Siemensstraße von der Hildesheimer Straße westwärts bis zur Straße „An der Bismarckschule“. Sie kreuzt dabei die Alte Döhrener Straße. Benannt ist sie seit 1897 nach dem Ingenieur und Industriellen Werner von Siemens. An der Siemensstraße liegt die Regionaldirektion der Bundesknappschaft.

Werner von Siemens Foto: Werner von Siemens Fotograf nicht bekannt. Fotografie von 1885.

Werner von Siemens

Wohl kein Name — Krupp vielleicht ausgenommen — steht so sehr für die Industrialisierung Deutschlands wie Siemens. Dass diese Industriellen-Dynastie ihren Ursprung in einem Bergdorf hat, dürfte weitgehend unbekannt sein. Geboren wird Ernst Werner Siemens am 13. Dezember 1816 als viertes von vierzehn Kindern des Gutspächterpaares Christian Ferdinand und Eleonore Henriette Siemens in Lenthe am Benther Berg.

1823 zieht die Familie nach Mecklenburg und der Vater übernimmt die Domäne Menzendorf, bleibt aber wirtschaftlich erfolglos. Nachdem Werner Siemens zunächst von seiner Großmutter und dem Vater unterrichtet worden war, besucht er ein Jahr lang die Bürgerschule in Schönberg, erhält dann drei Jahre lang Unterricht durch einen Hauslehrer und ist schließlich drei Jahre lang Schüler des ehrwürdigen „Katharineum" in Lübeck. Siemens verlässt die Schule 1834 ohne Anschluss, um einen praktisch-wissenschaftlichen Beruf zu ergreifen.

Da die finanziellen Verhältnisse der Familie ein Studium nicht ermöglichen können, verpflichtet sich Siemens als Offiziersanwärter bei der Magdeburger Artillerie. Diese ermöglicht ihm von 1835 bis 1838 eine Ausbildung in Mathematik, Physik und Chemie an der Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin. 1838 wird Werner Siemens Artillerieleutnant der Preußischen Armee und dient in Magdeburg und Wittenberg. Dort beteiligt er sich als Sekundant an einem Duell und wird 1841 zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, von der er jedoch nur ein halbes Jahr verbüßen muss. In diesem halben Jahr erfindet Siemens ein Verfahren zur Versilberung oder Vergoldung von Neusilber, das er sich als „Galvanotechnick“ patentieren lässt.

Nach seiner Begnadigung wird Werner Siemens an die Artilleriewerkstatt in Berlin versetzt, wo er sich überwiegend mit eigenen Erfindungen und deren Vermarktung beschäftigt. Bahnbrechend und für ihn besonders erfolgreich erweist sich die Erfindung des Zeigertelegrafen, mit dem die Massenkommunikation auf den Weg gebracht wird. Der erste Auftrag für eine Telegrafenleitung zwischen Frankfurt am Main und Berlin bringt dem jungen Erfinder und seinem Partner Johann Georg Halske höchste Wertschätzung ein, denn die in Frankfurt tagende Nationalversammlung trägt Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Kaiserwürde an und Majestät weiß dies bereits eine Stunde nach der Entscheidung. Ohne die Telegrafenleitung hätte er eine Woche lang warten müssen.

Weitere Aufträge für die Errichtung von Telegrafenleitungen folgen und nach der Auszeichnung mit der „Coucil Medal“ während der Weltausstellung in London im Jahr 1851 können Siemens und Halske, die seit 1847 eine gemeinsame Firma ihr Eigen nennen, auch im Ausland tätig werden, etwa in England und Russland. Nach dreijähriger Bauzeit geht 1870 die „Indo-Europäische Telegrafenleitung“ von London nach Kalkutta in Betrieb. Vier Jahre später folgt die erste transatlantische Telegrafenleitung von Irland nach Kanada, die vom firmeneigenen Kabelleger „Faraday“ verlegt wird. Damit ist die Telegrafie ein internationales Kommunikationsmittel.

Ausgehend von Forschungen des englischen Physikers Michael Faraday entwickelt Werner Siemens 1866 ein Gerät, das mechanische Energie in elektrischen Strom umwandelt, die Vorform eines Elektromotors, der in den folgenden Jahrzehnten die zweite industrielle Revolution antreiben wird. Den praktischen Nutzen dieser Erfindung können die Berliner*innen anlässlich der Gewerbeausstellung im Jahr 1879 in Berlin erleben, wo Siemens die erste elektrische Straßenbeleuchtung und die erste elektrische Eisenbahn präsentiert. 1881 folgt die erste elektrische Straßenbahnstrecke der Welt in Berlin-Licherfellde.

Wegen seiner Verdienste wird Werner Siemens 1886 von Kaiser Wilhelm I. zum Ritter des Ordens „Pour le Mérite“ für Wissenschaft und Kunst ernannt. 1887 wird Siemens Mitglied des Kuratoriums der „Physikalisch-Technischen Reichsanstalt“ in Berlin, der er mit Geldmitteln und dem Erwerb eines Grundstücks zum Bau eines Instituts in Berlin-Charlottenburg verhilft. Im Jahr darauf erhebt Kaiser Friedrich III. Werner Siemens in den Adelsstand. In der Frühzeit des Deutschen Kaiserreiches besticht Siemens als sozial engagierter Unternehmer, gründet eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse und führt 1873 in seinen Fabriken den Neun-Stundentag ein.

Nachdem er jahrelang vergeblich für ein einheitliches deutsches Patentrecht gestritten hat, ruft er einen Patentschutzverein ins Leben, der unter seinem Vorsitz den Entwurf für ein deutsches Patentgesetz ausarbeitet, das den Zweck hat, den Wert deutscher Produkte im Ausland zu verbessern. Dieses Gesetz tritt am 25. Mai 1877 in Kraft. 1879 gründet Siemens gemeinsam mit dem Generalpostmeister Heinrich von Stephan den „Elektrotechnischen Verein“, der sich für die Einrichtung von Lehrstühlen der Elektrotechnik an deutschen Hochschulen einsetzt. Den Begriff „Elektrotechnik“ hat Siemens selbst geprägt. 1889 scheidet Werner von Siemens aus dem Familienunternehmen aus, ohne jedoch an Einfluss zu verlieren. Er stirbt am 6. Dezember 1892 in Berlin-Charlottenburg.


Werner von Siemens Fotograf nicht bekannt. Fotografie von 1885.


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