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Von der Geibelstraße gegenüber dem südöstlichen Eck des Stephansplatzes führt die Stüvestraße in südöstlicher Richtung bis zum Bertha-von-Suttner-Platz. Benannt ist sie seit 1897 nach dem konservativ-liberalen Juristen und Staatsmann Johann Carl Bertram Stüve. Von 1845 bis 1897 hieß die Straße Tiefenrieder Kirchenweg.

Johann Carl Bertram Stüve  Abbildung: Die Gartenlaube, 1872 Foto: Johann Carl Bertram Stüve Abbildung: Die Gartenlaube, 1872 Künstler nicht bekannt

Johann Carl Bertram Stüve

Als jüngstes von fünf Kindern des nachmaligen Osnabrücker Bürgermeisters Heinrich David Stüve und seiner Frau Margarethe Agnes Stüve wird Johann Carl Bertram am 4. März 1798 in Osnabrück geboren. Dort besucht er das Ratsgymnasium, das er 1817 mit der Reifeprüfung verlässt. Zum Studium der Rechtswissenschaften geht Stüve zunächst nach Berlin und 1818 nach Göttingen, wo er 1820 promoviert wird. Seinen Plan, Professor für Rechtswissenschaften gibt er auf, um als Advokat in Osnabrück seine inzwischen verwitwete Mutter zu unterstützen.

Neben der Juristerei hat es ihm vor allem die Geschichtsforschung angetan. Stüve sichert und ordnet städtische und kirchliche Archive und führt Justus Mösers „Geschichte des Hochstifts Osnabrück“ fort. Nebenbei schreibt er für die „Hannoversche Zeitung“ und das „Osnabrücker Volksblatt.

1824 wird Johann Carl Bertram Stüve Abgeordneter in der Ständeversammlung in Hannover, wo es ihm gelingt, einen Schuldenerlass für seine Geburtsstadt zu erwirken. 1830 veröffentlicht Stüve ein Buch „Über die Lasten des Grundeigentums“ und ermöglicht mittels einer Ablösungsverordnung den abhängigen Bauern die Freiheit von den jeweiligen Grundherren. Als gemäßigter Reformer wirkt Johann Carl Bertram Stüve 1833 an der Erarbeitung des Staatsgrundgesetzes für das Königreich Hannover mit, das jedoch vier Jahre später von König Ernst August per Verfassungsbruch außer Kraft gesetzt wird. Dagegen legt Stüve vor dem Deutschen Bund im Namen der Stadt Osnabrück Verfassungsbeschwerde ein, womit er sich den König zum Feind macht.

Ab 1841 wird Stüve an der Wahrnehmung seines Mandats gehindert und darf Osnabrück nur mit Genehmigung des Landdrosten, der als höchster Verwaltungsbeamter die Interessen des Königreiches Hannover wahrnimmt, für maximal drei Tage verlassen. Stüve ist selbstbewusst genug, nicht um die Erlaubnis zu erbitten. Stattdessen widmet er sich verstärkt seiner Arbeit als Verwaltungsbürgermeister von Osnabrück, ein Amt, das er zunächst von 1833 bis 1848 inne hat.

Nach der März-Revolution von 1848 sieht sich auch der reaktionäre König Ernst August gezwungen reformerische Zugeständnisse vor allem an das aufkommende Bürgertum zu machen. Johann Carl Bertram Stüve wird zum Innenminister in der Regierung des Grafen Alexander Levin von Bennigsen ernannt. Stüve erweist sich dabei als erfolgreicher Reformer. Er schafft die Zensur ab, trennt Justiz und Verwaltung und beseitigt Standesvorrechte.

Diese Reformen bleiben auch nach seiner Demission im Oktober 1850 in Kraft. Johann Carl Bertram Stüve geht nach Osnabrück zurück und widmet sich erneut seinen geschichtswissenschaftlichen Forschungen, bevor er 1852 abermals zum Bürgermeister gewählt wird. Stüves letzte Amtsjahre sind von Auseinandersetzungen mit dem Bürgerkollegium geprägt, die die mittlerweile konservative Haltung ihres Bürgermeisters nicht mittragen wollen. 1864 tritt Johann Carl Bertram Stüve zurück und privatisiert.

Obwohl er den Zuständen im Königreich Hannover weiterhin kritisch gegenübersteht, verurteilt Stüve 1866 nach dem „Deutschen Krieg“ die Annexion des Königreiches durch Preußen. Konsequenterweise lehnt er eine Kandidatur zum Reichstag des Norddeutschen Bundes ab. Auch dem Deutsch-Französischen Krieg und der anschließenden Reichsgründung unter der Führung Preußens kann Johann Carl Bertram Stüve nichts Positives abgewinnen. Er stirbt am 16 Februar 1872 in seiner Geburtsstadt Osnabrück. Postum wird er 1876 zum Ehrenmitglied der „Göttinger Akademie der Wissenschaften“ gewählt.

Dass es in Hannover zwei Straßen gibt, die nach Johann Carl Bertram Stüve benannt sind, liegt in der Tatsache begründet, dass Linden bis zur Eingemeindung 1920 als eigenständige Stadt ihre Straßen benannt hat. So auch im Jahre 1900 die Minister-Stüve-Straße in Linden-Mitte.


Johann Carl Bertram Stüve Abbildung: Die Gartenlaube, 1872 Künstler nicht bekannt


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