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Von der Hildesheimer Straße führt in Höhe des „Döhrener Turms“ der Vierthaler Weg in westlicher Richtung bis zum Vierthaler Teich und führt dann in nördlicher Richtung parallel zum Rudolf-von-Bennigsen-Ufer bis in die Höhe der Löwenbastion. Benannt ist der Weg seit 1977 nach dem Bildhauer Ludwig Vierthaler. Von 1966 bis 1977 war der Weg nach Hannovers ehemaligen Oberbürgermeister Arthur Menge benannt. Am Vierthalerweg befindet auf einer kleinen Bastion der Arthur-Menge-Brunnen, eine Schenkung der Fritz-Behrens-Stiftung an die Stadt Hannover. Die Wasserspeier sind aus Bronze gegossene Lachse aus dem Jahr 1964 und die letzte Arbeit des damals knapp 90jährigen Ludwig Vierthaler.

Arthur-Menge-Brunnen auf der Bastion am Vierthaler Weg Foto: lopo | Arthur-Menge-Brunnen auf der Bastion am Vierthaler Weg

Ludwig Vierthaler

Er ist zweifellos einer der wichtigsten Künstler Hannovers im 20. Jahrhundert, und dennoch ist wenig über ihn bekannt. Geboren wird Ludwig Karl Maria Vierthaler am 16. Januar 1875 in München. Dort studiert er nach dem Schulabschluss an der Königlichen Kunstgewerbeschule. Zwei Jahre lang arbeitet Ludwig Vierthaler als Kleinplastiker im Atelier des Karikaturisten und Architekten Bruno Paul in Berlin.

Bereits 1910 wird Vierthaler in Hannover tätig und beteiligt sich an der Ausgestaltung des Neuen Rathauses und des Georg-von-Cölln-Hauses an der Marktkirche. Auch beim Bau des Verwaltungsgebäudes der Keksfabrik Bahlsen ist Ludwig Vierthaler von der Partie und entwirft Wand- und Deckenmajoliken. Der kunstsinnige Fabrikant ist von den Fähigkeiten des Bildhauers angetan, wie Vierthaler notiert:

„Herr Bahlsen rief mich an: Haben Sie Lust, Keramikdosen für meine Kekse zu machen? Da ich bejahte, fragte er: Passt es Ihnen, wenn ich um 12.15 am Freitag zu Ihnen komme? Auf die Minnute pünktlich fuhr er vor, wie später auch in allen anderen Besprechungen, wählte aus meinen Entwürfen aus, was ihm gefiel, erteilte den Auftrag, fragte nicht, was es koste, sondern: Brauchen Sie Geld? und gab mir einen Scheck über ein paar tausend Mark.“

1915 wird Ludwig Vierthaler an die Städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Hannover berufen. 1920 erhält er einen Lehrauftrag für Modellieren an der Technischen Hochschule in Hannover, wo er zwei Jahre später zum Honorarprofessor ernannt wird. In der 1930er Jahren bezieht er als Atelier die Villa des ehemaligen Hofmalers Friedrich Kaulbach am Waterlooplatz, wo sich heute der Biergarten befindet. Vierthalers Verhältnis zu den Nazis ist ambivalent. So ist er von 1933 bis 1936 Mitglied im „Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund“, 1937 wird ihm jedoch die Tätigkeit an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule untersagt. Auch an der Technischen Universität darf er 1940 nicht mehr unterrichten.

Nach der Zerschlagung Nazi-Deutschlands gilt Ludwig Vierthaler als „unbelastet“. Schon am 11. November 1945 ist er im Beethovensaal der Stadthalle an der Gründung des „Bundes Bildender Künstler“ für Norddeutschland beteiligt, dessen Vorsitz er bis 1953 innehat. In dieser Funktion initiiert er 1946 die erste norddeutsche Kunstausstellung, die nach dem Krieg in der Orangerie der Herrenhäuser Gärten stattfindet.

Neben dem Arthur-Menge-Brunnen am heutigen Vierthalerweg hat Ludwig Vierthaler der Stadt Hannover weitere bemerkenswerte Arbeiten hinterlassen. 1949 zeichnet er verantwortlich für die Rekonstruktion des Tores im Ernst-Grote-Haus in der Breiten Straße und in der Eilenriede befinden sich das „Fabeltier“ und der Pelikanbrunnen. 1960 wird Ludwig Vierthaler mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt und mit der Ehrenmitgliedschaft des Hannoverschen Künstlervereins ausgezeichnet, dessen Mitglied er von Beginn an ist. 1963 verleiht die Stadt Hannover Ludwig Vierthaler die Stadtplakette. Vierthaler stirbt am 4. März 1967 in Hannover. Sein Grab befindet sich ohne Grabstein auf dem Engesohder Friedhof.

Später, trauriger Nachruhm widerfährt Ludwig Vierthaler, als im Jahr 2020 im Zuge einer Sanierungsmaßnahme von ihm geschaffene Putten über Eingangstüren des Gebäudekomplexes Dürerstraße/Krausenstraße entfernt werden. Die galten nicht als denkmalgeschützt, was erstaunt, denn Ludwig Vierthalers ganzes künstlerisches Schaffen ist geprägt von der „Kunst am Bau“.


Foto: Arthur-Menge-Brunnen auf der Bastion am Vierthaler Weg | Foto: lopo


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