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Zwischen Tiestestraße und Sallstraße gelegen, führt die Wildenbruchstraße in südlicher Richtung von der Spielhagenstraße bis zur Geibelstraße. Benannt ist sie seit 1909 nach dem Juristen, Diplomaten und Schriftsteller Ernst von Wildenbruch.

Ernst von Wildenbruch Foto: Rudolf Dührkoop, 1906
Ernst von Wildenbruch

Ernst von Wildenbruch

Unter anderen Umständen wäre Ernst Wildenbruch wohl „Prinz Ernst von Preußen“ gewesen, denn sein Großvater war kein Geringerer als Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der — obzwar Militär — vor allem den schönen Künsten und der „holden Weiblichkeit“ zugetan war. Dies veranlasste Theodor Fontane 50 Jahre nach des Prinzen Tod zu folgendem Gedicht.

„Sechs Fuß hoch aufgeschossen,
Ein Kriegsgott anzuschaun,
Der Liebling der Genossen,
Der Abgott schöner Fraun,
Blauäugig, blond, verwegen,
Und in der jungen Hand,
Den alten Preußendegen –
Prinz Louis Ferdinand.“

Diese Zeilen hätten durchaus auch von Ernst Adam von Wildenbruch sein können. Der wird als fünftes Kind des illegitimen Louis Ferdinand-Sohnes Louis, den König Friedrich Wilhelm III mit dem Namen „von Wildenbruch“ in den erblichen Adelsstand erhoben hatte, am 3. Februar 1845 in Beirut geboren, wo der Vater preußischer Generalkonsul ist. Die diplomatische Karriere des Vaters führt den jungen Ernst über Athen und Konstantinopel schließlich 1857 nach Berlin, wo er das „Französische Gymnasium“ besucht.

Das scheint ihn nicht zu befriedigen, denn 1859 tritt Ernst von Wildenbruch in den Kadettendienst ein, den er vier Jahre später mit dem Offizierspatent verlässt. Zwei Jahre lang dient er danach als Leutnant in Potsdam, bevor der den Dienst quittiert und in Burg bei Magdeburg sein Abitur nachholt. Von 1867 bis 1870 studiert Wildenbruch Rechtswissenschaften in Berlin, wird 1871 Referendar in Frankfurt an der Oder und nach dem zweiten Staatsexamen Richter in Eberswalde und Berlin. 1877 wechselt Ernst von Wildenbruch in die juristische Abteilung des „Auswärtigen Amtes“.

Zu dieser Zeit kann Ernst von Wildenbruch bereits erste literarische Erfolge vorweisen. So veröffentlicht er — selbst Kriegsteilnehmer — 1873 ein „Heldenepos“ über die Schlacht von Vionville und 1875 über die Schlacht von Sedan. Weitere patriotische Historienwerke folgen. Ein Rezensent urteilt Ende des 19. Jahrhunderts über Wildenbruchs Kernthema: „Die Träger der Empfindung sind Germanen, sind Deutsche, Menschen, mit denen wir uns verwandt und durch mannigfache Bande verknüpft wissen.“ 1884 wird Ernst von Wildenbruch mit dem Grillparzer-Preis und dem Schiller-Preis ausgezeichnet, was seine seinerzeitige literarische Bedeutung unterstreicht. 1885 heiratet der Bismarck-Bewunderer Wildenbruch in Berlin Maria Karoline Freiin von Weber, eine Enkelin des Komponisten Carl Maria von Weber.

Nach Bismarcks Tod trägt Ernst von Wildenbruch auf einer Gedenkveranstaltung sein Gedicht „Bismarck lebt!“ vor, darin er das Publikum mit der Zeile beschwört: „ Lass nicht den Bismarck sterben in Dir.“ Das bringt ihm den Ruf ein, der „nationalistischer Bismarcklyriker“ zu sein. 1889 wird Ernst von Wildenbruch mit der Ehrendoktorwürde der Universität Jena ausgezeichnet. Auf Intervention Wilhelm II. erhält er 1896 zum zweiten Mal den Schiller-Preis. Seine Laufbahn im Auswärtigen Amt erreicht mit der Ernennung zum „Geheimen Legationsrat“ 1897 ihren Höhepunkt.

Trotz allem Patriotismus, der seine Werken durchweht, unterstützt Ernst von Wildenbruch 1897 die von Magnus Hirschfeld initiierte Petition zur Streichung des Paragraphen 175 aus dem Strafgesetzbuch. 1907 zieht Wildenbruch in eine eigens für ihn entworfene Villa nach Weimar. Von dieser Heimstatt hat er jedoch nicht mehr viel. Ernst von Wildenbruch stirbt am15. Januar 1909 in Berlin. Dort befindet sich in der Zentral- und Landesbibliothek Wildenbruchs umfangreiche Bibliothek als Sonderbestand. Begraben ist der „Beinahe-Prinz“ auf dem Historischen Friedhof in Weimar.



Ernst von Wildenbruch Foto: Rudolf Dührkoop, 1906


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