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Zwischen Weinstraße und Marienstraße liegend, führt die Wilhelmstraße in östlicher Richtung von der Höltystraße bis zur Baumstraße. Benannt wurde sie vor 1830 mit großer Wahrscheinlichkeit nach Wilhelm IV., dem letzten gemeinsamen König von Großbritannien und Hannover.

William IV.  Gemälde von Carl Oesterley, 1837 Foto: William IV. Gemälde von Carl Oesterley, 1837 Quelle: Historisches Museum Hannover

Wilhelm IV.

Im Juni 1778 wird ein rebellischer junger Mann aus erzieherischen Gründen an die „Naval Academy“ in Portsmouth geschickt, wo er als „Midshipman“ die Ausbildung zum Offizier durchlaufen soll. Offizier wird er zwar, aber während seiner Dienstzeit in der „Royal Navy“, erwirbt er sich den Ruf eines Raufbildes, Säufers und Hurenbocks. Der junge Mann heißt William Henry und ist der dritte Sohn Georgs III., des Königs des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland und Königs von Hannover.

Geboren wird Prinz William Henry am 21. August 1765 im „Buckingham House“ in London. Der gottesfürchtige Vater lässt seinen Kindern eine militärisch geprägte Erziehung angedeihen; die Königskinder werden also bei Bedarf auch verprügelt. Neben den Drill treten Unterweisungen in Latein, Französisch, Religion und Geschichte. Nach der militärischen Ausbildung in Portsmouth dient Prinz William Henry in der Karibik und übernimmt königliche Repräsentationsaufgaben auf Kuba und Jamaika.

Da der junge Prinz weiterhin disziplinlos ist, schickt ihn Georg III. 1783 zu seinem Bruder Frederick Augustus nach Osnabrück, wo dieser als „Fürstbischof“ residiert. Bildungsreisen in die Schweiz und nach Preußen und Schlesien sollen seinen Horizont erweitern, doch William Henry widmet sich lieber der Jagd und dem Glücksspiel. Noch ein Mal versucht Georg III. seinen dritten Sohn zu disziplinieren, indem er ihn zum Offizier ernennen lässt. Wieder soll sich William Henry in der Karibik bewähren: als Kommandeur der HMS Pegasus, aber er kujoniert seine Mannschaft.

Am 16. Mai 1789 wird der Prinz vom Vater zum „Duke of Clarence and St. Andrews“ und „Earl of Munster“ ernannt. Das bringt die Annehmlichkeit einer Apanage von 12.000 Pfund Sterling mit sich und einen Sitz im Oberhaus. Außerdem wird William Henry zum Konteradmiral befördert, was ihm 1790 den Abschied aus der Navy erleichtert. Fortan privatisiert William Henry und vertreibt sich die Zeit auf seinem Landsitz „Bushy House“ mit seiner Mätresse, der irischen Schauspielerin Dorothea Jordan, mit der er zehn Kinder zeugt, die den Familiennamen „FitzClarence“ erhalten und von der Thronfolge ausgeschlossen werden.

William Henry selbst ist die Nummer 4 in der Thronfolge, denn sein ältester Bruder Georg hat mit Charlotte of Wales eine Thronfolgerin gezeugt und auch sein Bruder Frederick Augustus steht noch vor ihm. Als Charlotte of Wales jedoch 1817 plötzlich stirbt und es dem Haus Hannover an Thronerben fehlt, werden die noch unvermählten Prinzen von der Mutter auf den Kontinent geschickt, um sich nach „geeigneten“ Ehepartnerinnen umzusehen. Wilhelm Henry umwirbt — nicht ohne Hintergedanken — mit Erfolg die Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen. Den Prinzen drückt eine Schuldenlast von 50.000 Pfund Sterling, die er durch eine erhöhte Apanage zu mindern gedenkt.

William Henry und Adelheid heiraten am 11. Juli 1818 in London. Als sein älterer Bruder Frederick Augustus im Januar 1827 kinderlos stirbt, rückt William Henry zum Thronfolger seines inzwischen zum König Georg IV. gekrönten ältesten Bruders auf. Der stirbt am 26. Juni 1830 und William Henry, der ursprünglich die formelle Krönung ablehnt, wird am 6. September 1831 in der Westminster Abbey zum William IV., König des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland und zum König von Hannover gekrönt. Da ist er bereits 66 Jahre alt und gilt als Übergangskönig. Immerhin gelingt es ihm 1832, ein Reformbill durchsetzen zu lassen, das die Rechte des Unterhauses stärkt. Auch im Königreich Hannover wirkt William IV als moderater Reformer. In seine Regentschaft fällt die Verabschiedung eines Staatsgrundgesetzes und die Stärkung der zweiten Kammer der Ständeversammlung.

Am 20. Juni 1837 stirbt William IV. auf Windsor Castle ohne legitimierte Nachkommen. Den Thron des Vereinigten Königreiches besteigt daraufhin seine Nichte Victoria, die Tochter seines jüngeren Bruders Edward Augustus. Da im Königreich Hannover nur Männer die Thronfolge antreten können, wird Williams noch jüngerer Bruder Ernest Augustus, „Duke of Cumberland and Teviotdale“ als Ernst August I. König von Hannover. Damit endet nach 123 Jahren die Personalunion zwischen beiden Königreichen.


William IV. Gemälde von Carl Oesterley, 1837 Quelle: Historisches Museum Hannover


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