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Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne

20. Juni 2010: Grußwort von Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne zur Eröffnung des 6. Südstädter Kulturfestes

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Liebe Südstädterinnen, liebe Südstädter,
liebe Gäste aus dem Rest der Welt,

herzlich willkommen beim sechsten Südstädter Kulturfest, das, auch wenn der Schriftzug über der Eingangstür etwas anders suggeriert, in der Südstadtbibliothek eröffnet wird. Im Zuge der Erweiterung der Kompetenzen der Stadtbezirksräte ist im vergangenen Jahr die Hauptsatzung der Landeshauptstadt Hannover dahingehend verändert worden, dass Stadtteilbüchereien nunmehr Stadtteilbibliotheken heißen.

Ob diese Namenskorrektur eine kulturelle Errungenschaft darstellt, überlasse ich Ihrem Urteil.

Eines allerdings dürfte unbestritten sein: Bibliotheken sind neben Theatern und Museen sichtbarer Ausdruck unserer Kulturlandschaft. „Nirgends kann man den Grad der Kultur einer Stadt und überhaupt den Geist ihres herrschenden Geschmacks schneller und doch zugleich richtiger kennen lernen als - in den Lesebibliotheken“, hat Heinrich von Kleist vor über 200 Jahre in einem Brief an Wilhelmine von Zenge geschrieben.

Kleist war sich der Tatsache bewusst, dass ihm sein Stand die nahezu uneingeschränkte Teilhabe am kulturellen Leben seiner Zeit ermöglichte. Das gemeine Volk träumte zu Kleists Zeit noch nicht einmal von Bibliotheken, es konnte in der übergroßen Mehrheit nicht lesen und bekam das bisschen Kultur, das die Herrschenden vonnöten hielten in Kirchen oder auf Kasernenhöfen eingetrichtert.

Das hat sich nach etlichen, mehr oder weniger friedlich verlaufenen Umwälzungen zum Glück geändert. Unsere Kultur hat sich mehrmals erneuert und hat so, wie es der zu Unrecht vergessene und geschmähte expressionistische Dichter Johannes R. Becher gefordert hat, neue Schichten unseres Volkes in den Genuss unserer kulturellen Angebots gebracht, im Großen wie im Kleinen.

Wir haben in der Südstadt beides: Ganz große Kultur von internationalem Rang und Kleinkunst gleich um die Ecke. Wussten Sie, verehrte Gäste, dass die Südstadt das theatralische Zentrum der Landeshauptstadt und damit Niedersachsens ist? Wir haben sechs Theater, die ständig bespielt werden, einen Konzertsaal, der nicht nur wegen seiner Einbindung in das Funkhaus Hannover des Norddeutschen Rundfunk überregional Beachtung findet und wir haben zwei große Museen, von denen das Sprengel-Museum von Zeit zu Zeit sogar in den Spalten der New York Times Beachtung findet. Die Südstadt bietet also die besten Voraussetzungen für einen Wunsch Johann Wolfgang von Goethes, der seinen Wilhelm Meister sagen lässt: „Man sollte ... alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und , wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

Dafür bietet das sechste Südstädter Kulturfest die besten Voraussetzungen, denn alles, was Goethe da wünschte, lässt sich heute an vielen Standorten unseres Stadtteil erleben, fußläufig oder, wenn Sie wollen mit einem Konferenz-Fahrrad. Dies ist eine Neuerung, mit der sich unser bewegter Stadtteil quasi körperkulturell erstrampeln lässt.

Die Rundfahrt beginnt, so es das Wetter zulässt, vor der Südstadtbibliothek, passiert, direkt gegenüber, die Fahrschule Niepel, hält bei Two Lives Einklang in der Schlägerstraße und der Hinterbühne in der Hildesheimer Straße. Von dort aus geht es über das Bistro Lucas in der Marienstraße, das SofaLoft in der Jordanstraße und das Kulturbüro Südstadt in der Böhmerstraße zurück zur Südstadtbibliothek. Diese Rundreise, die sich natürlich auch zu Fuß absolvieren lässt, zeigt eine Besonderheit unseres Stadtteils: Kultur und Wirtschaft sind fest in der Südstadt verankert.

Ich wünsche mir für heute einen Tag voll Einklang mit dem nötigen Maß an Polyphonie, mal ein bisschen laut, mal ein bisschen leise und besinnlich, vor allem aber bunt und vielfältig. Der Südstädter Kulturfunke, das Forum für Kultur im Stadtteil, hat dafür die nötigen Voraussetzungen geschaffen. Ihnen allen wünsche ich viel Spaß. Nutzen Sie Ihre Phantasie für neue Entdeckungen, denn wie es der große russische Erzähler Maxim Gorki ausgedrückt hat, ist alles was Kultur heißt, der Phantasie des Menschen entsprungen. Sie alle sind also die Kulturschaffenden des heutigen Tages. Wohlan.

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